MY PEDIGREE BY "GENEANET"

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genetik ist auch nicht mehr das, was sie mal war ...

„Man kann die Herkunft 
nicht so genau festlegen“

Gentests, um etwas über die Vorfahren und die eigene Herkunft zu erfahren, sind derzeit in Mode. Alles Unsinn, sagt der Evolutions­forscher und Genetikprofessor Mark Stoneking aus Leipzig. Die Daten lassen eine eindeutige Zuordnung gar nicht zu


Nachbildung eines Neandertalers aus dem Düsseltal bei Mettmann. Für viele gehört auch er zu den Vorfahren 
Foto: Federico Gambarini/dpa


INTERVIEW EDITH KRESTA


 taz: Herr Stoneking, haben Sie eine DNA-Analyse machen lassen, um die Herkunft Ihrer Vorfahren zu bestimmen? 

Mark Stoneking: Nein.

Wollen Sie eine machen?

Nein.

Warum nicht? 

Weil das vor allem der Unterhaltung dient. Eine Auswertung zu haben, wo meine Vorfahren möglicherweise herkommen oder auch nicht herkommen, dass hat für mich keine Bedeutung. Ich weiß, dass viele Leute diesen Test zur Herkunft machen, weil sie hoffen, dass es ihre Identität verändert, ihren Blick auf sie selbst. Ich glaube, dass meine Persönlichkeit auf den Erfahrungen beruht, die ich gemacht habe und etwas über meine Vorfahren von vor tausend Jahren zu wissen, ist nichts an dem ich wirklich interessiert bin.

Es ist doch schön, sich seine Vorfahren möglicherweise als kaukasische Prinzessin vorzustellen.

Okay, es beflügelt die Fantasie, es ist ein Spiel. Und wir Menschen sind neugierig, wollen wissen wo wir herkommen.

Wie funktioniert so ein Test?

Es geht folgendermaßen: Man schaut nach den Vorfahren im Genom eines Menschen und sucht nach der passenden Zuordnung bei der aktuellen Bevölkerung. Dazu ­bedarf es Daten, die in Datenbanken gespeichert sind. Diese Daten sind nicht realistisch, sondern modellbasiert. Man hat eine gewisse Anzahl an Referenz-DNA und die Zuordnung der Herkunft erfolgt dann nach dem Prinzip: Wir ordnen so zu, wie es am wahrscheinlichsten ist. Die Prozentangaben sind nur eine ungefähre Einschätzung und sollten nicht zu ernst genommen werden.

Der Werbeclip eines Reiseanbieters stellt Menschen vor, denen das Ergebnis ihrer DNA-Analyse präsentiert wird. Sie erfahren beispielsweise ob sie deutsche, afrikanische oder italienische Vorfahren haben. Dann werden sie geschäftstüchtig befragt, ob sie diese Regionen ihrer Vorfahren gerne bereisen wollten. Kann man tatsächliche nationale Zugehörigkeit aus den Tests lesen?

Nein, man kann die Herkunft nicht so genau festlegen. Was man kann, ist großflächige geografische Räume festzulegen, aber so viel Prozent britisch, deutsch oder irisch, das sind Märchen. Das ist nicht korrekt. Diese Anbieter suchen nach der wahrscheinlichsten Zuordnung in den vorhandenen Datenbanken. Es wird dann aber nicht gesagt , dass die Zuordnung lückenhaft ist, sondern man sagt, dies sei die beste Zuordnung. Wir Wissenschaftler würden allenfalls sagen, dass jemand etwa aus Nordwesteuropa stammt. Aber schon, wenn wir in andere Regionen schauen, wird die Zuordnung schwierig, weil wir dort viel zu wenig Datenmaterial haben.

Afrika zum Beispiel?

Ja. So behaupten diverse DNA-Analyse-Anbieter in den USA, dass sie den Ort der afrikanischen Vorfahren, ja sogar das Dorf bestimmen könnten. Das ist Legende. Man kann Vorfahren aus Westafrika feststellen, aber niemals ein Dorf. Und die Datenbasen sind lückenhaft. Zum Beispiel wurde vor ein paar Jahren Westeuropäern, die bei amerikanischen Anbietern den Test machen ließen, Nativ-american-Vorfahren bescheinigt. Das war kaum möglich. Wie sich dann herausstellte, waren es Vorfahren aus Zentralasien, aber deren Informationen standen diesen amerikanischen Datenbanken nicht zur Verfügung.

Die amerikanische Senatorin Elizabeth Warren aus Oklahoma ließ eine DNA-Analyse machen. Und zeigte sich stolz auf ihre „nativ american“ Vorfahren, die sie möglicherweise auch als Wähler gewinnen will.

Ja. Und Trump nannte sie prompt Pocahontas.

Kann sich Elizabeth Warren nun als Nachkomme der Cherokee bezeichnen?

Bei Elizabeth Warren wurde ein Anteil von nicht Übereinstimmung mit dem europäischen Erbgut festgestellt, der sich dem Erbgut der „nativ american“ zuordnen lässt. Daraus ließe sich ableiten, dass sie in ihrem Stammbaum Nativ-american-Vorfahren hat. Aber man kann die genetische Information nicht einem bestimmten Indianerstamm zuordnen.

Was hat es auf sich mit den Unterschieden?

Zuerst: Zu 99,9 Prozent sind wir Menschen in unserem Erbgut identisch. Wir beziehen uns also auf 0,1 Prozent unserer Erbinformation. Da gibt es in der Tat einen Unterschied zwischen der geografischen Herkunft. Diese Tatsache hilft uns, die Geschichte der menschlichen Bevölkerung, ihrer Mobilität zu verstehen.

Und diese 0,1 Prozent im Erbgut sind chaotisch und durcheinander?

Ja, aber es ist trotzdem mächtig und hilfreich, um Bevölkerungsgeschichte zu klären. Natürlich kann man diagnostizieren, dass jemand nordwesteuropäische Vorfahren hat. Es ist wichtig, um die Wanderung zu verstehen, die Geschichte der Menschheit. Wie alles geschah. Es gibt eine Wahrheit darin, aber nicht so, wie es in diesen Tests dargestellt und verkauft wird.

Hat das etwas mit Rasse zu tun?

Wir sprechen in der Anthropologie nicht von Rasse, das ist ein schwieriges Konstrukt. Dann müsste es in der Bevölkerung bestimmte Unterschiede geben, die ganz klar bestimmt und abgegrenzt werden können. Aber wenn wir schauen, wie die genetischen Unterschiede der Menschen auf der ganzen Welt sich darstellen, dann gibt es keine klaren Zuordnungen, sondern nur graduelle Unterschiede. Zwar können Menschen aus einer Region mehr Ähnlichkeiten aufweisen, aber gleichzeitig auch Unterschiede, die sie mit Menschen aus einer anderen Region teilen. Biologisch gibt es keine eindeutige Zuordnung. Deshalb ist Rasse nicht hilfreich, um die Menschen zu verorten. Es ist eine soziales Konstrukt und keine biologische Einordnung. Wir sprechen in der Anthropologie von Bevölkerung und nicht von Rassen. Man kann Unterschiede identifizieren, aber die sind nie eindeutig. Es gibt genetische Unterschiede, aber diese sind immer fließend.

Es gibt also keine biologische Reinheit.

Nein. Unsere ganz Menschheitsgeschichte haben wir uns vermischt. Die Einteilung der Spezies Mensch in Rassen oder Unterarten ist aus wissenschaftlicher Sicht heute obsolet. Die sichtbaren Unterschiede aus verschiedenen Kontinenten führen nicht zu objektiv abgrenzbaren Gruppen, da die Übergänge fließend sind. Wir leben unter verschiedenen klimatischen Bedingung, wir ernähren uns anders, wir sind anderen Parasiten ausgesetzt, anderen Krankheiten. All das produziert die Unterschiede, die wir sehen unter den Bevölkerungen. Hinzu kommen die zufälligen Veränderungen, der genetische Drift. Aber unsere Vorfahren sind immer gewandert, haben sich immer vermischt. Selbst in den abgelegensten Stämmen gibt es genetische Variationen und unterschiedliche Einflüsse.

Manche preisen die Tests als Argument gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung an.

Ja, aber man könnte ja auch einfach auf die Übereinstimmung aller Menschen mit 99,9 Prozent hinweisen, statt die Unterschiede zu betonen zu suchen. Man kann die Dinge immer interpretieren wie man will. Zum Beispiel beruft sich die „white supremacy“-Bewegung in den USA (weiße Überlegenheit, Anm. der Red.), nachdem ihre Vorfahren nun nicht wirklich rein sind, inzwischen auf den genetischen Einfluss des Neandertalers im Erbgut, der sie angeblich überlegen macht. Diesen Einfluss haben Afrikaner nicht. Man könnte nun genau umgekehrt sagen, deshalb sind die Afrikaner die wahren Menschen.


  • Mark Stoneking ist 1956 in den USA geboren. Der Genetiker ist seit 1999 Gruppenleiter (Human Population History) am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Honorarprofessor an der Leipziger Universität.


taz, 23.November 2018, S. 18 wissenschaft


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man sieht schon an einem solchen durchschnitts-resultat: wir alle sind mit soundsoviel prozent das - und jenes und und und ...

wir können uns also die 70/80 euro eines solchen tests sparen ...

in der debatte aber: was ist deutsch - was ist deutsche "leitkultur" - blut-und-boden-denken - und wer hat einen migrationshintergrund -  für sll diese tüftler ist ein solches durchschnittsergebnis sehr aufschlussreich.

oder auch, wenn heutzutage familienangehörige beschämt sind, wenn ihre großeltern oder großtante/großonkel zum beispiel opfer der nazi-"euthanasie" geworden sind ... (ist dadurch "unser erbgut" in mitleidenschaft gezogen worden ???)

ob das aber die von storchs, weidels, gaulands, orbáns usw. sehen wollen ... ???

DISKUSSION: GENE UND/ODER UMWELT

S!|art - 2018

Von Henning Engeln | spiegel.de


Sind wir nicht der Homo sapiens, der vernunftbegabte Mensch, der über sich selbst reflektieren kann und einen freien Willen hat? Da sollte es doch leicht sein, sich selbst mit diesem geistigen Rüstzeug neu zu erfinden.

In Wahrheit aber fällt das schwer, und den Gründen dafür sind Mediziner, Psychologen und Biologen inzwischen auf der Spur. Sie haben viel darüber herausgefunden, wie sich die Persönlichkeit entwickelt, welche genetischen, vorgeburtlichen und sozialen Einflüsse sie prägen und wie sich all das auf Biochemie und Verdrahtung unseres Gehirns auswirkt. Die Forscher versuchen den Spielraum für Veränderungen auszuloten und zu erklären, weshalb wir so unterschiedlich sind.

Botenstoffe im Gehirn

Ein erheblicher Teil unserer Persönlichkeit, so haben Genforscher ermittelt, wird von unserem Erbgut diktiert. Studien an Zwillingen und Adoptivkindern ergaben, dass offenbar rund 50 Prozent der Persönlichkeitsfacetten auf das Konto der Gene gehen.

Nur von einigen dieser Erbfaktoren ist bislang bekannt, wie sie genau einzelne Charakterzüge beeinflussen und zu den Unterschieden zwischen den Menschen beitragen. Es sind vor allem solche Gene, die Botenstoffe des Gehirns und Hormone regulieren: Noradrenalin, Dopamin, Serotonin sowie Oxytocin etwa. Diese Stoffe beeinflussen, wie motiviert, empathisch, ängstlich und sozial wir sind.

Eines der Gene etwa sorgt dafür, dass im Gehirn frei gesetztes Serotonin wieder verschwindet. Doch bei einer Variante dieses Gens funktioniert das nicht so gut und der Botenstoff wirkt bei den betreffenden Menschen länger als bei anderen. Die Folge: Wer diese Genvariante von seinen Eltern mitbekommen hat, neigt eher zur Passivität, ist ängstlicher, schneller reizbar und stressempfindlicher als andere.

Doch nicht nur das Erbgut, auch andere Faktoren beeinflussen unsere spätere Persönlichkeit noch bevor wir geboren werden. Einer davon ist Stress, dem die werdende Mutter während der Schwangerschaft ausgesetzt ist. Ausgeschüttete Stresshormone wie Kortisol prägen das Gehirn des Ungeborenen nachhaltig. Solche Kinder werden später impulsiver, vermögen ihre Handlungen nicht so sinnvoll zu planen und haben häufiger emotionale Probleme.

Einfluss der Pubertät

Die Entwicklung im Mutterleib und die Gene machen den Löwenanteil an der späteren Persönlichkeit eines Menschen aus. Nach der Geburt hängt in den ersten Jahren vieles davon ab, wie liebevoll sich die Mutter oder andere Bezugspersonen kümmern und welche sozialen Erfahrungen der neue Erdenbürger macht. Den Feinschliff schließlich besorgen Erlebnisse im späteren Kindesalter und in der Pubertät; sie formen rund 20 Prozent der Persönlichkeit.

So schälen sich die Facetten unseres Charakters bereits in der frühen Kindheit heraus, werden vor allem während der Pubertät nochmals variiert, um sich dann im weiteren Verlauf des Lebens zu verfestigen. Im Alter zwischen 30 und 60 Jahren bleiben die Persönlichkeitsmerkmale recht stabil. Danach ändern sie sich zum Teil wieder ein wenig. So sind viele Senioren weniger offen für neue Erfahrungen als sie es vorher waren, dafür sozial verträglicher.

Doch auch, wenn sich Eigenschaften im Lauf des Lebens etwas modifizieren, so bleiben die Menschen ihrem grundsätzlichen Charakter fast immer treu. Am ehesten sind es dramatische äußere Auslöser, die einen Wandel der Persönlichkeit anstoßen: Verlust des Partners oder des Arbeitsplatzes, schwere Krankheit oder erlebte Katastrophen gehören etwa dazu. Doch davon abgesehen, so schreibt der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth in seinem Buch "Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten" halten sich die Möglichkeiten, das eigene Leben zu ändern, in engen Grenzen.

Erfolgskonzept der Natur

Angesichts all der vielen Größen, die unser Gehirn und Verhalten beeinflussen - Gene, Botenstoffe, neuronale Verschaltungen, soziale Prägung - ist das auch kein Wunder. Menschen sind eben verschieden; die einen sind groß, die anderen klein, die einen haben blaue Augen, die anderen braune und das ist bei den Persönlichkeitsmerkmalen nicht anders. Evolutionsbiologen sehen in dieser Vielfalt sogar einen Vorteil, ja ein Kalkül der Natur.

Denn Unterschiede zwischen Individuen sind - das wissen die Biologen seit Darwin - das Material, das es Arten ermöglicht, sich an neue oder wandelnde Umwelten anzupassen. Das Erfolgskonzept der Natur lautet: Je größer die Vielfalt, desto besser werden Lebewesen damit fertig, wenn sich ihre Welt verändert. Und das gilt nicht nur für körperliche Merkmale, sondern ebenso für Verhaltensweisen. In diesem Licht betrachtet, haben alle Persönlichkeitseigenschaften - je nach Umgebung oder Situation - ihre Vor- und Nachteile.

Sehr gesellige, aktive, spontane - extravertierte - Menschen etwa bilden große soziale Netzwerke aus und haben mehr Sexualpartner. Doch auf der anderen Seite neigen sie zu riskanten Unternehmungen oder kümmern sich nicht genug um ihre Familie.

Wer häufig besorgt, ängstlich und angespannt ist, scheint auf den ersten Blick einen Nachteil zu haben, doch in einer Welt voller Gefahren sind es gerade diese Menschen, die dank ihrer Ängste schneller als andere bemerken, wenn es brenzlig wird und sich aufgrund ihrer Befürchtungen dagegen wappnen. Besonders Gewissenhafte schließlich machen zwar alles ganz genau, neigen aber dazu, zu erstarren und nicht mehr flexibel zu sein.

Neugierige Abenteurer

Die Vielfalt an unterschiedlichen Persönlichkeiten, so glauben Evolutionsbiologen, half dem Homo sapiens, als er vor 60.000 bis 70.000 Jahren Afrika verließ, um die Erde zu erobern. Denn auf dieser Reise musste er sich an viele Regionen mit äußerst unterschiedlicher Vegetation, Tierwelt, Geographie und variierendem Klima anpassen.

Ein Charakterzug dürfte bei diesem Exodus in die Welt hinaus besonders hilfreich gewesen sein. Er ist heute unter dem Begriff "Novelty Seeker" bekannt. Dabei handelt es sich um Personen, die sich schnell langweilen und bei denen der Drang, Neues auszuprobieren und das Unbekannte zu erkunden, extrem stark ausgeprägt ist.

Als Ursache haben Forscher bei ihnen im Gehirn einen besonders niedrigen Gehalt des Botenstoffs Dopamin ausgemacht. Er vermittelt normalerweise bestimmten Hirnregionen bei einem ungekannten Sinneseindruck das Signal "Neues entdeckt!". Doch bei den "Novelty Seekers" kommt dieses Signal kaum an, so dass sie eine permanente Sehnsucht nach dem Unbekannten in sich tragen und es sie in die Welt hinauszieht.

In unserer heutigen durchstrukturierten, eingeschliffenen Gesellschaft bereitet ihnen das oft Probleme. Die Betreffenden werden daher häufiger psychisch krank, trinken oder rauchen viel, lassen sich auf waghalsige Abenteuer ein. Gerade dadurch aber fallen sie auch immer wieder positiv auf - etwa durch die Erstbesteigung eines extrem schwierigen Berges.

Und so kann jeder eine sinnvolle Rolle für sich finden. Denn für die Gesellschaft insgesamt gilt: Eine jede Persönlichkeitsnuance hat ihre Stärken, und es ist die Mixtur aus unterschiedlichen Charakteren, die eine Gemeinschaft fit für das Überleben macht. Die Verschiedenheit der Individuen dürfte ein Schlüssel dafür sein, dass wir als Menschheit so erfolgreich sind.

Und daher müssen wir uns vielleicht gar nicht ändern.

siehe auch meinen kommentar im anschluss zu diesem text: SHOW MORE

1 - PROLOG VIANT|FAMILY













Hi | Bonjour | Buenos Dias | Buongiorno | jó nap | أهلا وسهلا! | 你好/您好 | 良い一日 | Guten Tag

ich werde auf diesen Seiten Bezug nehmen auf meine Familien-Forschung - mit allem Drum & Dran.
Ja - diese Viants / Wiandts / Wey(g)andts usw. haben es in sich. Es ist eine Familie, die in den "Rand"-Gebieten des deutschsprachigen Raumes - in Nationa-Grenzgebieten verschiedener Couleur - immer mal wieder sogar in der Schreibweise "V-I-A-N-T" auftaucht, wobei der "eigentlich übliche" Konsonant / der Mitlaut zwischen "I" und "A" / zumeist verbleibt.


VIANT ist ein europäischer Name. Mittelhochdeutsch bedeutete VIANT: FEIND. Aber es gibt auch Deutungsmuster in Verbindung mit dem "Weg", der "Straße": VIA - ist das lateinische Wort für Straße (siehe auch z. B. Via Appia oder Via Francigena).
De-VIANT= "de|viant" kommt von Devianz: Als Devianz (von frz. dévier) - als abweichendes Verhalten - wird in der Soziologie und in der Sozialen Arbeit die Abweichung von allgemeinen Normen und Wertvorstellungen bezeichnet. Die Bezeichnung eines Verhaltens als deviant ist immer mit einem Werturteil verbunden. Mit der Einsetzung und Deklaration von Normen tritt stets der soziale Tatbestand auf, dass von ihnen abgewichen wird; in diesem Sinne ist Devianz gerade heutzutage fast schon 'normal'.

Also ist aber im Umkehrschluss zu "deviant" der Begriff VIANT der "in der Spur bleibende", der seinen "Weg geht", der sich korrekt verhält ... - der nicht abweicht.

Vielleicht ist es auch Jemand, der an der "Straße" / "dem Weg" wohnt der "Anrainer"/Anlieger - wohingegen derjenige, der im "Abseits" haust, ein "DE-VIANT" ist - also - so in der Richtung ist der Name in dieser Variante zu deuten.

Und natürlich heißt "Viande" frz. "Fleisch" - und das Stammschloss der "Oranjer", der Niederländer, ist in "Vianden", in Luxembourg - was natürlich auch der Brunnquell aller möglichen Namensvarianten ist. Natürlich.

Foto: Vianden-Castle by night - S!|bildbearbeitung

2 - "MIGRATIONSHINTERGRUND"...



Meine Ur-Familie väterlicherseits lebte seit nun über 300 Jahren mit einem permanenten "MIGRATIONSHINTERGRUND": aus deutschen Landen nach Österreich-Ungarn - aus Ungarn in die USA - aus Ungarn bzw. den USA nach Deutschland ...

Meine Ur-Ahnen namens VIANT, VIANDT, WIEAND sind wahrscheinlich in oder nach den Kriegswirren des 30-jährigen Krieges - also wohl um 1650 - aus irgendeiner "teutschen" Provinz - wahrscheinlich aus Bayern, Elsass-Lothringen, Hessen oder der Pfalz - nach Südosteuropa - nach Österreich-Ungarn gezogen.



1903 nun machte sich mein Großvater Mathias Wieand von dort auf den Weg  - quer durch Europa - dann über das große Wasser - nämlich von Ungarn nach Bremen (!)  - und dann nach Baltimore, mit dem Schiff "SS CHEMNITZ" des Norddeutschen Lloyd.






Da nun auch dort der Brotkorb nicht so gefüllt war, wie Matyas/Mathias sich das vorstellte, kam er 1906 zurück, um in Dortmund unter Tage im Bergbau Kohlen zu hauen - und Kohlen zu verdienen - und im Alter die Bewohner von Waltrop mit Schuhwerk zu versorgen und Schuhreparaturen durchzuführen.



Er war als "Auslandsdeutscher" selbstständiger Schuhmacher geworden auf seine alten Tage.



Ich kann mich noch gut erinnern, dass er zum Beispiel bei der Aussprache des Lautes "W" quasi einen tönernen Luftstrom durch ein Lippenloch stieß, ähnlich der Mundformung beim Lippenpfeifen. Er legte nicht, wie eigentlich üblich, beim "W" die gekräuselte Unterlippe unter die obere Zahnreihe.









Das machte für mich seinen/unseren Migrationshintergrund regelrecht sichtbar.


Inzwischen habe ich gelernt, dass diese Eigenart vielleicht auch landsmannschaftlich gefärbt war - vielleicht ähnlich allen anderen "Ungarndeutschen" oder "Donauschwaben"... - ???


Die Familie habe "in der Fremde [in Ungarn] immer am Deutschtum festgehalten", schrieb ein evangelischer Gemeindepfarrer aus Lajoskomárom, einem kleinen Ort östlich des Balaton, im Komitat Fejér, dem Heimatort von Matyas/Mathias Wieand - allerdings schrieb der Pfarrer diesen damals so wichtigen Umstand 1934 auf - als mein Opa mit seiner Hilfe versuchte, deutsche Einbürgerungspapiere zu erhalten ...















Zur VIANT-Familien-SAGA über die Jahrhunderte = siehe Post 25: click here




Bildmaterial - von oben nach unten: Ansicht in Lajoskomarom (Wikipedia) S!|bildbearbeitung; "SS Chemnitz" (Norddeutsche Lloyd); Szene auf einem Auswandererschiff;  Hafenszene Baltimore; Fahrkarte ("Inspection Card") Matyas Wieand 1903, Zechen-Förderürme in Dortmund; Schuhmacherwerkstatt (Museum); Mathias Wieand, um 1910; Mathias Wieand, um 1940




3 - VIANT - INTERNATIONAL TRADE MARK & FONT


Mit dem Namen VIANT sind international einige "Marken" entstanden - sowohl im Computer-Bereich (Viant.com = VIANT CORPORATION - von 1996 - 2002) wie im Gesundheitsversorgungs-Bereich (Viant.inc = VIANT - HEALTH PAYMENT SOLUTION) u.a.

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Dabei gehen diese Markennamen nicht immer auf real existierende Familiennamen zurück - sondern es waren z.T."Kunstnamen" - die extra als Markenname kreiert wurden (wie etwa manche Auto-Marken bzw. die Namen mancher Automodelle ...) - und vielleicht fährt mal irgendwo auf der Welt eines Tages z.B. der Citroen-Viant ...

(Beachte die kyrillische Marke: VIANT: BNAHT...)

Daneben gibt es noch die etwas klassizistisch anmutende Schreibschrift namens Viant (Viant Font):



4 - deviantART




  
deviantART
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

deviantART ist eine kommerzielle Online-Community, die registrierten Benutzern die Möglichkeit bietet, ihre Werke aus dem Bereich Kunst und Fotografie zu veröffentlichen. Die Registrierung ist kostenfrei, es fallen lediglich für zusätzliche Angebote Kosten an. Zahlreiche Werke kann man im deviantART Shop als Poster, Kunstdruck, Postkarte etc. bestellen. Das Unternehmen wurde am 7. August 2000 von Scott Jarkoff und Matt Stephens gegründet. Im Moment umfasst deviantART über 8 Mio. registrierte Benutzer mit über 76 Mio. Veröffentlichungen (März 2009). Der Geschäftsführer von deviantART ist Angelo Sotira.

Begriffserklärungen
Deviant (engl.:abweichend, der/die Abweichende) Bezeichnung für einen Benutzer
Deviation: Eine fertige und vom Benutzer hochgeladene Arbeit
Scrap: Ein noch nicht vollständig fertig gestelltes Werk, ein Entwurf
Stock: (engl.: Lager) Ein Bild, das unter bestimmten Bedingungen des Fotografen in abgeleiteten Werken (Mashups) etc. verwendet werden darf
Donation: (engl.: Schenkung, das Geldgeschenk) Deviants können Subscriptions verschenken
Wishlist: (engl.: Wunschliste/-Zettel) Sofern eine Deviation als Print freigegeben ist, kann ein Deviant es auf die „Wishlist“ setzen, somit können andere Benutzer bei Belieben einen Print verschenken, der auf der Wishlist des Deviants steht.

Die Philosophie deviantArts
Grundsätzlich kann jede digitalisierbare Form der Kunst veröffentlicht werden, wobei der Schwerpunkt auf der Photographie sowie der digitalen Photomanipulation liegt. Andere Kategorien behandeln die Bereiche der traditionellen Malerei und Grafik, Anime, Flash-Animationen, Vektor-, 3D-, Film- und Pixel-Kunst, Dichtung, Prosa und Stock-Photographien.

Neue Unterkategorien können in der Regel von Benutzern vorgeschlagen werden.

Funktionen
deviantART bietet registrierten Nutzern zusätzliche Möglichkeiten mit anderen Benutzern zu interagieren, z. B. durch
  • ein Foren-System
  • eine Shoutbox sowie ein eigenes Chatnetzwerk, „dAmn“ (deviantART Messenging Network)
  • ein privates Nachrichten-System, welches mit einem internen E-Mail-System verglichen werden kann
  • die Möglichkeit, die Koordinaten seines Wohnortes einzutragen und so Benutzer aus seiner Nähe zu finden
  • eine eigene Profil-Seite inkl. Blog-System
  • eine Beobachtungsliste um keine Veröffentlichungen zu verpassen
  • ein Favoriten-System, in welches besonders gelungene Werke eingetragen werden können

Entwicklung  
Der Seite werden häufig neue Funktionen hinzugefügt, zusätzlich gibt es ein spezielles Forum, das sich mit Vorschlägen der Benutzer beschäftigt.

Die aktuelle, siebte Version von deviantART ist am 10. Juli 2008 online gegangen. Die Version nennt sich deviant Version 7.

Die Bezahlfunktion  
Jeder registrierte Nutzer kann gegen eine Gebühr zu einem sogenanntem „Subscriber“ werden, um spezielle Extra-Funktionen freizuschalten. Weitere Vorteile sind unter anderem ein schnellerer und werbefreier Zugang zur Webseite sowie größere Gestaltungsmöglichkeiten der Benutzerseite.

Kritik
Streitpunkt Copyright  

Die große Bekanntheit der Seite hat sie zu einem einfachen Ziel für Urheberrechts-Verletzungen gemacht. So kann ein Nutzer mit bösen Absichten sehr einfach ein gezeigtes Werk speichern und ohne das Wissen des Urhebers zum Beispiel verändern und weiterverwenden. Des Weiteren sind sich viele Benutzer nicht über die Bedingungen zum Hochladen sowie den Zweck der Seite im Klaren, so dass nicht selten Werke hochgeladen werden, die nicht vom Benutzer selbst stammen. Andere Benutzer missbrauchen deviantART als normalen Webserver, um lediglich ihre eigenen Bilder, die nicht im Bezug zu deviantART stehen, ins Internet hochzuladen – das allerdings ist bei deviantART verboten.

Wegen der unpraktischen Art, die Urheberrechte der entsprechenden, mitunter wiederverwendeten, Werke zu untersuchen, bleiben viele Verstöße ungeahndet, bis der Sachverhalt letztendlich offensichtlich ist. Administrative Arbeit hinsichtlich diverser Regelverstöße wird oft als einseitig und gleichgültig abgetan; das kommt zustande, weil einige Benutzer sich nicht über die rechtlichen Bedingungen im Klaren sind und sich daher falsch be- und verurteilt fühlen. So hat es bereits viele Konflikte zwischen Mitarbeitern und Benutzern gegeben. Ebenfalls führte, wenn auch legal im Sinne des Fair Use, der Weiterverkauf von Drucken, die über den deviantART Shop gekauft wurden, zu einigen Auseinandersetzungen.

Mittlerweile ist es jedoch möglich, eigene Deviations während der Veröffentlichung mit einer entsprechenden CC-Lizenz, wie sie von Creative Commons angeboten wird, zu versehen. Dies trägt erheblich dazu bei, Urheberrechtsverletzungen vorzubeugen. Es wird jedoch keine Möglichkeit geboten direkt nach Werken unter der CC-Lizenz zu suchen.

Freie Meinungsäußerung
Ein weiterer Punkt wachsender Unzufriedenheit bei den Benutzern ist der Vorwurf der Intoleranz gegenüber anderen Bereichen der Kunst. Viele glauben, es gäbe eine deutliche Neigung zu bestimmten Formen der Kunst, welche von den Moderatoren selbst ausgeht. Zum Beispiel wird häufig kritisiert, dass es für Bilder weiblicher Personen, die sich in entsprechenden Fällen sehr freizügig fotografieren lassen, sehr einfach sei, den begehrten Titel Daily Deviation (einige täglich neu ausgewählte Werke, die auf der Startseite präsentiert werden) zu bekommen. Unterdessen werden viele Fotografen und Künstler, die gleiche oder ähnliche Bilder mit männlichen Modellen erstellen, aus der Startseite entfernt. Einige andere Vorwürfe waren unter anderem, dass einige sehr schamlose, fast pornografische Darstellungen von Disneyfiguren gezeigt wurden. Ein anderer Punkt war die Veränderung an bereits existierenden Bildern. Manche Nutzer der Internetplattform hatten Bilder kopiert und diese dann zu ihrem eigenen Bild verändert.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/DeviantART

Link zu deviantART:
http://www.deviantart.com/

Meine deviantART-Gallery:
http://sinedi.deviantart.com/

5 - ONOMASTISCHE ANMERKUNGEN



ONOMASTIK (NAMENSKUNDE)


Stammformen:

Viand/en,-er:
Ortsname Luxemburg

viant:
mittelhochdeutsch für "Feind"

wigant:
mittelhochdeutsch für "Kämpfer"

vivianus:
lateinisch für "der Lebhafte"

wicnand
kühner Kämpfer

viande:
französisch für "Fleisch"

Vianen
Ortsnamen in den Niederlanden

Viana:
lateinisch für "am Wege wohnend"

_____________________________________

Namen:

Von Vivianus:
Vian(t)/Wian(t)

Von viant (Feind):
Fiand/Fieand (auch V u. W)

Von wicnand:
Wigant/Wiegand

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Nachweise für Namensvorkommen mit Jahresangaben – die sich aus der jeweiligen Stammform entwickelt haben:

Feind:
1446 Lotze Fyand zu Kassel
1492 Feyntt Schweinfurt
1536 Georg Findt, Herrenberg
1647 Henrich Fiandus, Grebenstein (Hessen)

Wigant:
1350 Wigant, Waiblingen
1561 Wigand, Freiburg/Brsg.
1589 Weingand
1599 Weyant

Hier ist also die Namens-Stammform "Viant" mit seinen Varianten benannt, und es zeigte sich, dass sie neben "Wiegand" existiert (hat).

Warum man in diesen Quellen den "Weyant" (1599) so eindeutig zum Stamm "Wigant" sortiert, zumal m. W. das mittelhochdeutsche lange i im nieder-hochdeutschen zum ei wird (vgl. wip zu Weib), ist fragwürdig.

_______________________________

Quellen: Literatur zur Namensforschung, Namenskunde, Onomastik: Die Altmeister: Gottschald, Max und Brechenmacher, Josef K.;

6 - SURNAME VIANT

NAMESPEDIA - VIANT


7 - SCHREIBVERWIRRUNGEN

Fantasiewappen  - Quelle unbekannt


VIANT als eigenständige Namensform ... ?!


Mir scheint, dass die Namensfarm "Viant" im Laufe der Jahre in "Vergessenheit"  geriet, obwohl sie im Mittelalter wohl häufiger anzutreffen war, und sich heute vereinzelt bewahrt hat und immer noch auftritt.

Dieses Vorkommen eines eigenständigen Namens-Stammwortes "Viant" ist auch den Fachleuten kaum mehr bekannt. Bekannte Archive, die ich eindeutig unter dem Stichwort "Viant" anschrieb, antworteten wie selbstverständlich mit Auskünften zu "Wiegand" etc.

Andere wiederum behaupten (!) "Viant" sei "eindeutig" eine mundartliche Färbung von "Wiegand". Eine andere Möglichkeit wurde und wird gar nicht erst angedacht.

Wenn nun auch die Entstehung der Schreibweise "Viant" und die seiner Varianten in Einzelfällen einen mundartlichen Ursprung haben mag (so wahrscheinlich z.T. in der Pfalz und auch in Ungarn), so ist daneben aber eine Stammform "Viant" anzunehmen und heutige Vorkommen zeigen das auf. Erstaunlicherweise finden sich in den Ahnenlisten der "Wiegand's" kaum Schreibweisen "Viant" - und in den Ahnenlisten der "Viant's" sind nur selten Abwandlungen zu "Wiegand". Daneben existierte jedoch in den gleichen Gegenden jeweils der andere Name völlig eigenständig.

Wenn also irgendwo in alten Ahnenlisten, Ansiedlerlisten, Steuerlisten usw. ein "Viant" auftaucht, so könnte man auch mal davon ausgehen, dass der Träger auch so heißt. Bisher wird immer gleich der Schluss gezogen, dass sich ein Beamter oder Pfarrer verschrieben hat, und in Veröffentlichungen wird ein solcher Name dann oft sofort mit "Wiegand" etc. übersetzt.

Eine weitere "Unart" scheint es zu sein, die Variante "Viand" z.B., die man mangels "Wiegand" schon mal zulassen muss, flugs als ein Name "französischer oder hugenottischer Herkunft" einzuordnen. Dies kann zwar auch eine der Möglichkeiten sein, aber selbst elsässische "Wiant's" verweisen bei der Herkunft ihres Namens auf den deutschen Sprachraum.

Und es lebten schon "Viant's" in Deutschland als von Glaubenskriegen, Hugenotten und Napoleon noch gar keine Rede war, und ihre Nachkommen haben in Varianten sich diesen Namen bewahrt.

8 - KÄMPFER (WIGNAND) | FEIND (VIANT)


Der Name "W-i-e-a-n-d" war für mich, für unsere Familie, fast ein "Makel". Ständig mussten wir ihn vorbuchstabieren - ständig wurde er falsch geschrieben. Fast peinlich war es, dass uns zum "gängigen" Wiegand, Wieland, Wienand der entsprechende Buchstabe fehlte.

Aber ich wusste aus einem Ahnenpass meines Vaters, dass schon vor 150 Jahren unser Name "V-i-a-n-t" geschrieben wurde, und zwar in Ungarn, wo meine Vorfahren, aus Europa irgendwann eingewandert, bis ca. 1900 lebten. Auch damals fehlte also dieser "normale" Buchstabe mittendrin.

So begann meine Namens- und Familienforschung unter dem Stichwort "Viant und Varianten" Ende 1976. Ich war (und bin) Laie auf diesem Gebiet und musste mir alle Fakten anlesen und entsprechend kombinieren und zusammen puzzeln.

Hierbei mag es manch einen Fehlschluss gegeben haben. Für eine jede Korrektur wäre ich dankbar. Ich lege hier eine immer nur vorläufige Zusammenfassung vor, die Hinweise enthält, dass unser Name nicht "Opfer" eines "schlampigen" Standesbeamten oder Pfarrers sein muss, sondern dass wir diesen Namen (vielleicht) durchaus "zu Recht" tragen.


Die Beispiele, die ich im Folgenden nenne, sollen aufzeigen, daß die Namensform "Viant und Varianten" zumindest zwischen 1400 und 1800 verbreitet war und z.T. heute noch Reste davon vorhanden sind.

Die hier angegebenen Beispiele sind ein Zwischenergebnis. So habe ich meine Forschung noch nicht ausgeweitet auf "(F)(V)Wey(i)(h)and(t)", Fendt, Findt, Windt, Feind u.a.

Festzustellen ist aber schon, dass sich die Stammform "Viant" in "verkehrsärmeren" Gegenden Europas und in Auswanderungs-/ Besiedlungsländern vereinzelt gehalten und erhalten hat, und es sich bei den entsprechenden Varianten nicht nur um Verballhornungen der wesentlich häufigeren Form "Wiegand", "Wieland", "Wienand" handeln muss.

Bei den "Viant"-Wohnorten fällt aber auch die oftmalige Nähe von nationalen  Grenzen auf: Grenzen aber waren oftmals in den Jahrhunderten umkämpftes Kriegsgebiet, in dem es "Feinde" gab - hüben wie drüben: Der "Feind" jedoch war alt-/mittelhochdeutsch der "Viant" - und viele Feinde waren die "Vianden" (zunächst einmal ganz losgelöst von der gleichnamigen Grafschaft in Luxembourg) ...

9 - Namenkunde: VIANT / WIGAND usw.


VIANT = mittelhochdeutsch = Feind

Von der Namensbedeutung her müssen also die Veränderungen von der mittelhochdeutschen Form her mitbedacht werden (vielfach haben sich unmittelbare Reste vom Mittelhochdeutschen enthalten im "Mundartlichen", Plattdeutschen bzw. Niederdeutschen, im Niederländischen und Friesischen...):
In den mundartlich geprägten ländlichen Grenzgebieten - abseits der jeweiligen sprachlichen Mainstreams und der sich allmählich entwickelnden dann urban-industriell dominierten "deutschen" "Hochsprache" blieb der Familienname VIANT an sich mit seinen ursprünglichen ia-Lauten, hin zum ei-Laut, hin zum einfachen Vokal-Laut: a-e-i bestehen, wenn auch in einer extrem unterschiedlich modulierten Schreibweise: VIANT, FIAND, WIANDT - daneben VENDT, FENDT, FENDT, WENT, WENDT - VINDT, FINDT, WINDT - VAYANDT, WAYANDT, FEYAND - FEYND, FEIND, FEINDT - evtl sogar PFEINDT, PFANDT, VANDT, WANDT und viele Varianten mehr ... - ehe sich dann mehrheitlich sicherlich FEIND, WENDT, WINDT, WAND, durchsetzte. Aber alle diese Varianten können durchaus in der Namensträgerlinie direkt verwandt sein miteinander über die Jahrhunderte dieser mundartlichen sprachlichen Entwicklung ...

Und die matrikelführenden Kirchenbeamten - und daneben dann die Standesbeamten - beurkundeten die Namen so, wie sie sie hörten - bzw. wie sie sie vor Ort schon kannten: ein VIANT wurde zum WIEGAND "eingedeutscht", ein WIEGAND wurde zum VAJAND "eingemeindet", zum FENDT, VANDT, FINDT, WINDT usw.






Mit den romanisch-lateinischen "Gelehrten"-"Hoch"-Sprachen, die sich im elsässisch-lothringischen und im englischen und niederländisch-flämisch aber auch wallonischen Sprachgebiet mit mittelhochdeutschen Sprachfloskeln  in den Namen mischten und durchsetzten, dominierte in diesem Namen der Begriff "VIA" = der Weg / die "richtige" Richtung;
VIANT bedeutete hier nicht mehr der "Feind" sondern in erster Linie "der am Wege Wohnende", der die "richtige" Richtung Angebende, der (heutzutage) den "Mainstream", die "Laufrichtung" Bestimmende, der An- oder auch "Ver-"Führende - während DE-VIANT - als Bezeichnung - der "Gegen-den-Strom-Schwimmende", der Outsider, der Besondere, der Außenseiter, der Individulist und Einzelne bedeuten kann.


Wenn man diesen Namen VIANT/WIEAND trägt und nachspürt, fängt man an, sich in diese Bedeutungen hineinzufühlen. Und bekommt dann auch ein Feeling dafür, was dieser Namen wohl meint.


Ansonsten ist es ein Familienname, der von vielen äußerlich und wirtschaftlich und glaubensmäßig erzwungenen Migrations-Exzessen mitgeprägt und verändert wurde - aus welchen (Glaubens-/Existenz-)Gründen heraus auch immer - verstreut über ganz Europa - in der gesamten zumindest westlichen Hemisphäre... (einschließlich Australien und auch Südafrika) ...


Die "Wiganth"-(Kämpfer)-Namensvarianten - mit den Entwicklungen hin zu Weygandt, Vajandt usw. vermischten sich also immer wieder an den Borderlines mit den "Viant"-(Feind)-Varianten und den "Via"-(Wegrichtung)-Varianten - und gehen in den Schreibweisen die tollsten Symbiosen bzw. Verwechselungen ein:
Besonders Menschen bzw. Matrikelführer, für die muttersprachlich diese drei Kernvarianten fremd blieben, brachten es hier zu den abenteuerlichsten Verwechselungen und kreativen Neuschöpfungen, die meiner heutigen Namens- und Familienforschung schon von daher eindeutige Grenzen aufzeigen.
 




10 - Latinisierung ...













Latinisierung von Familiennamen
Der Familienname ist für uns heute unverrückbarer Bestandteil unserer Identität. In früheren Jahrhunderten war dies allerdings nicht der Fall, Umbenennungen waren durchaus möglich.

In Deutschland kam der lange Prozess der Ausbildung fester, erblicher Familiennamen erst im Jahr 1874 mit der Einführung des Standesamtes zu einem Abschluss. So war es beispielsweise in den Zeiten des Humanismus in gebildeten Kreisen sehr beliebt, deutsche Namen ins Lateinische oder auch Griechische zu übersetzen oder sie mit einer entsprechenden Endung zu versehen. Noch heute zeugen viele unserer Familiennamen von dieser Modeerscheinung. Lateinische Übersetzungen deutscher Namen sind etwa die Namen Sartor bzw. Sartorius für Schneider oder Schröder,Molitor für Müller bzw. Möller, Praetorius (lat. Vorsteher, Statthalter) für Schultheiss,Schulze oder Scholze. Namen wie Jacobi oder Wilhelmi sind lateinische Entsprechungen von Jakobs oder Wilhelms.

Manche Namen erhielten damals durch schlichtes Anhängen der Endung -ius sozusagen einen „klassischen” Anstrich: So wurde etwa aus Dehl, einer Kurzform von Dietrich, der Name Delius, aus Mathes wurde Mathesius.

aus: http://www.duden.de/deutsche_sprache/sprachberatung/newsletter/archiv.php?id=139


Meine Anmerkung dazu: Wie wurde wohl im Humanismus der Familienname STRASSER latinisiert oder der Familienname WEGNER / WEGENER (wenn er nicht eine Form von Wagner / Wagenmacher / Stellmacher war - sondern sich auf den "WEG" bezog ...) ???

11 - Namens-Suffix "-(a)nt" / -(a)nd" - "Viant" ???












Auszug aus einer Hauptseminararbeit 2004 - Germanistik / Linguistik:

Die Entwicklung der deutschen Familiennamen in Wien

von: Maria Gstöttner


1. Einleitung


Familiennamen gibt es im deutschen Sprachraum noch keine 1000 Jahre. Erst im 12. Jahrhundert begann sich die Familiennamengebung langsam auszubilden. Vorher gab es aufgrund der überschaubaren Bevölkerungszahl noch keinen Bedarf, zur Identifizierung einen weiteren Namen als den Rufnamen zu führen. Zwar trugen Mitglieder des Adels schon Beinamen, diese galten aber als Individualnamen und wurden meist nicht an die Nachkommen weitervererbt. Aus diesen Beinamen allerdings entwickelten sich langsam die Familiennamen. Anhand literarischer Quellen lässt sich feststellen, dass als Beinamen von Personen oft Herkunft oder Wohnstätte angegeben wurde. Weiters wurden Berufsbezeichnungen, körperliche oder charakterliche Eigenschaften und auch Verwandtschaftsbeziehungen als nähere Personenkennzeichnungen verwendet. Durch das Wachsen der Städte im 12. und 13. Jh. stieg der Bedarf nach einer exakteren Namengebung allmählich an. Die germanischen Rufnamen waren in der Verwendung zurückgegangen und auch die neuen christlichen Rufnamen konnten das Defizit nicht ausgleichen. Dazu wurden Rufnamen innerhalb Familien von Generation zu Generation weitervererbt, sodass „präzisierende Kennzeichnungen auch im sozialen Kleinverband notwendig wurden.“1


Angefangen von den höheren Schichten und Städtern breitete sich die Namengebung nach und nach bis in alle Schichten und Gegenden aus. Anfangs kam es mitunter zu einem Nebeneinander von verschiedenen Benennungen für eine einzige Person. In schriftlichen Aufzeichnungen wurden oft alle möglichen Angaben über eine Person gemacht, um sie eindeutig zu identifizieren. Am längsten blieben Knechte, Mägde und Dienstboten ohne eigenen Familiennamen. Sie wurden oft durch den Namen des Dienstgebers benannt. Die Pflicht zum Tragen eines fixen Familiennamens wurde erst im 18. Jh. eingeführt. Heute stehen wir einer Fülle von Familiennamen gegenüber, deren einstige Bedeutung wir meist weder auf Anhieb verstehen, noch hinterfragen. Die Bedeutung, die der Name zur Zeit seines Entstehens innehatte steht nicht mehr im Vordergrund, wenn wir den Familiennamen von jemand erfahren. Untersucht man die Namen dennoch nach ihrer ursprünglichen Bedeutung, indem man ihre etymologischen Wurzeln freilegt, erhält man interessante Einblicke in den langwierigen Prozess der Familiennamengebung. Aufgabe und Ziel dieser Arbeit ist es anhand einer begrenzten Anzahl von Familiennamen, die aus Regesten von Urkunden der Stadt Wien 2 entnommen wurden, zu veranschaulichen, auf welche Art und Weise die Namen gebildet wurden und was sie zum Zeitpunkt ihres Entstehens um 1510 bedeutet haben. Die 42 unterschiedlichen Familiennamen geben Einblicke in Zusammenhänge von Gesellschaft und Sprache ihrer Entstehungszeit, da sie „zumindest zum Zeitpunkt ihrer Entstehung mehr oder weniger motiviert sind“3. Das heißt, sie reflektieren quasi die Umstände ihrer Benennung. Die insgesamt 42 Namen von 1510 werden abschließend auf ihr Fortbestehen in der Gegenwart untersucht.


2. Arten und Bildung von Familiennamen


2.1. Herkunftsnamen


Einerseits durch die starke Binnenwanderung im Mittelalter und der großen Landflucht der bäuerlichen Bevölkerung in die Städte, vor allem aber durch die beginnende Ostsiedlung im 11. und 12. Jh. erhielt ein großer Teil der Menschen ihren Familiennamen nach ihrer Heimat bzw. Herkunft. Herkunftsnamen konnten jedoch auch durch Zusammenhänge entstehen, z.B. durch Handelsbeziehungen, oder längeren Aufenthalt in einem bestimmten Ort. Besonders in den Städten bildeten Herkunftsnamen am Anfang der Namengebung die zahlenmäßig stärkste Gruppe. Ihr Anteil nimmt aber immer mehr ab. Sie „sind die instabilste Gruppe.“4


Da immer nur eine kleine Gruppe von Personen den gleichen Herkunftsnamen trägt, wirkt sich das Aussterben von Familien sehr stark auf den Bestand von Herkunftsnamen aus. Zu Beginn der Familiennamengebung wurden Herkunftsnamen mit der Präposition von bzw. lat. de angegeben, wie z.B. die Belege 5 Guntheri de Dresden (1295), oder Heynrich von Kemnicz (1308) zeigen. Gelegentlich wurde auch das Vorwort aus verwendet. Später wird zur Bildung des Herkunftsnamen auch das Suffix –er benutzt. Die Benennung von Bewohnern eines Ortes wurde so zum Familiennamen. Anfangs schienen die Namen noch mit Artikel auf, wie Heinrich der Wiener (14. Jh.). Diese verschwanden dann allmählich ganz. Heute hieße diese Person einfach Heinrich Wiener. Das Suffix –er ist im deutschen Sprachraum nicht überall gleich verbreitet. Vor allem das Oberdeutsche, zu dem wir auch das Wienerische zählen, weist es bei Herkunftsnamen häufig auf. Teilweise kommen die Herkunftsnamen auch in ihrer reinen Gestalt, also ohne Suffix oder Präposition, als Familiennamen auf, wie das Beispiel Günther Leipzig zeigt. Solche Namen entstanden meist durch Kürzung, oder wurden als Übernamen vergeben, welche kein Suffix benötigen. Existierten am Anfang der Familiennamengebung noch alle Typen von Herkunftsnamen nebeneinander, setzte sich nach und nach in jeder Gegend ein bestimmter Bildungstyp durch. Die Bildung mit Präposition verschwand fast ganzheitlich. Im Oberdeutschen dominierte die -er Suffixbildung schon früh und drang von dort aus ins Mitteldeutsche vor, wo sie sich jedoch nicht völlig durchsetzen konnte. Im Niederdeutschen fehlt die –er Bildung fast völlig. Herkunftsnamen werden gelegentlich auch mit anderen Suffixen gebildet, wie z. B. der Name Böhmisch (zu Böhmen) zeigt. Auf weitere Bildungssuffixe wird bei den Wohnstättennamen eingegangen, die eine ähnliche Bildung aufweisen. Da im Oberdeutschen viele Ortsnamen mit dem Suffix -ing gebildet werden, sind auch Herkunftsnamen auf -inger sehr häufig. Durch das in Tirol übliche Suffix -au sind auch Namen auf -aber und -ober üblich. 6

2.2 ...

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1 Naumann, Horst: Das große Buch der Familiennamen. Alter. Herkunft. Bedeutung. Niedernhausen: Falken Verl. 1994. S. 11.

2 Vgl. Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. 2. Abteilung. Regesten aus dem Archive der Stadt Wien. Bd. 4. Verzeichnis der Originalurkunden des städtischen Hauptarchives 1494-1526. 1. Halbband. Bearbeitet von Dr. J. Lampel. Wien 1917. S. 259-270.

3 Naumann. S. 13.-14.

4 Kunze, Konrad: dtv -Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. München: Deutscher Taschenbuch Verl. 1998. S. 85.

5 Vgl. Fleischer, Wolfgang: Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung. Berlin: Akademie Verl. 1964. S. 107f.

6 Bach, Adolf: Deutsche Namenkunde. Bd. I: Die deutschen Personennamen. 2. Die deutschen Personennamen in geschichtlicher, geographischer, soziologischer und psychologischer Betrachtung. Mit 8 Skizzen. 3. unver. Aufl. Heidelberg: Carl Winter Universitätsverl. 1978. (= Adolf Bach Bd. I, 1 und 2: Die deutschen Personennamen. Band II, 1 und 2: Die deutschen Ortsnamen.)

Textauszug aus 30 Seiten

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Wiener Dialekt

weanarisch - wienerisch
eine kleine Wiener Dialektkunde


"Des is halt weanarisch, holodaro, a Witz, a Kern, so reden d'Leut' in Wean,
vor so aner Ausdrucksweis' hot ma Respekt, so klingt da echte unverfälschte Weana Dialekt."

Refrain aus: Nach´n alten Weanaschlag

....

Weana =  Wiener

( Auszug aus: http://www.wien-vienna.at/freizeit.php?ID=529 )

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Meine Frage dazu:

Könnte jemand aus Wien ("Wean") oder jemand, der "über Wien" gekommen ("zuagreist") ist, aber nicht "Weanerisch" spricht - um 1650 beim Matrikelführer (z.B. in Wien in der Schottenpfarre 1649 - s. Post) "mundartlich" zu "Weand" /"Wieandt"/"Viant"/"Wiandt" sprachlich / orthographisch mutieren ... ???

(Bsp.: der, der "Musik" ausübt - ist ein "Musik-ant" - der, der sich auf "Wien - Wean" bezieht - ist ein "Wi(an)a-nt" - "We(an)a-nt" ... ???)

Lateinische Suffixe
Suffix
ursprüngliche lateinische Form
Bedeutung
Derivate (Beispiele)
-ns (Gen. -ntis)
Partizip Präsens Aktiv: Agens eines Geschehens oder einer Handlung
Agent, Brillant, Informant
-ndus, -a, -um
Gerundivum: (vorgesehenes oder gewünschtes) Objekt eines Geschehens oder einer Handlung
Analysand, Doktorand, Konfirmand, Promovend

Auszug aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_lateinischer_Suffixe 



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IST AUCH EINE  -NT ODER -ND-SUFFIX-BILDUNG FÜR (lat.) "VIA" (DER WEG - DIE STRASSE - bzw. "ÜBER" ...) MÖGLICH  UND KORREKT ??? -


Da ich kein Lateiner bin - habe ich keine Ahnung ... - aber es würde ja etwas erklären, wenn in der "latinisierenden" Namensentwicklungszeit im ausgehenden Mittelalter (z.B. Paracelsus, Vulpius, Agricola, Mercator usw.) - und im Übergang zur Renaissance eine solche Familiennamens-Bildung (VIANT u.a.) sich erklären ließe... - siehe dazu auch Post oben:  ...

12 - Viendemanß Spil - das Fingerhakeln

Einen trotz eines tragischen Ereignisses eher heiteren Zufallsfund fand ich bei der Suche nach der Bedeutung des Stammwortes "VIANT" aus dem Jahre 1552 in einem im Internet veröffentlichten Buch: Jan Peters: Märkische Lebenswelten - Gesellschaftsgeschichte der Herrschaft Plattenburg auf S. 23:







Bei einem Spiel, wo jemand zwei Finger verliert, dürfte es sich bei "Viendemanß Spil" (abgeleitet vielleicht aus dem Wortstamm VIANT = mhd. Feind) um das gute alte Fingerhakeln (bis heute eine althergebrachte "bayerische"[!] Sitte) gehandelt haben ... ;-))

Dieser Zufallsfund macht aber auch die uralte Grundsatzfrage auch in der Namensforschung aktuell: "Was war zuerst - Huhn oder Ei ?...":

Vianden in Luxemburg heißt wahrscheinlich Vianden, weil die Burgherren dort für irgendwen
damals "die Feinde" waren ... (?)...
Die Namensträger VIANT [mit allen Varianten] hießen vielleicht so nach dem Gebiet, aus dem sie stammten, vielleicht waren aber auch sie für
irgendwen "der Feind" - der Viant... -

Und für jemanden Feind sein oder Feind werden, war und ist ja eine recht "dynamische" Angelegenheit - besonders auch im Mittelalter und im Laufe der Jahrhunderte ...

Ob wir es jemals lösen werden ?


13 - Vianden = Feinde --- Viand = Feind

Victor Hugo: Burg und Schloss Vianden im Mondschein, 1871
Die Herren von Vianden und das Nibelungenlied

Sie sollen ja schon im Nibelungenlied Erwähnung gefunden haben, die stolzen Grafen von Vianden, Erbauer und Besitzer der Burg Vianden. In der Tat, es ist dort, an unterschiedlichsten Textstellen  des Nibelungenliedes, von „den Vianden“ die Rede, gerade so, als hätten diese im Mittelalter eine riesige Macht und großen Einfluss besessen.

Bei näherem Hinsehen stellt sich indes heraus, dass nicht von den „Herren von Vianden“ die Rede war, sondern von den „Feinden“. Das heutige Wort „Feind“ war also ursprünglich ein „Viand“ und vielleicht waren die Herren von Vianden deshalb ursprünglich jemandes Feind und erhielten von daher ihren Namen.

Wessen Feinde die Grafen von Vianden waren, das kann nur spekuliert werden. Click here

14 - Vianden - ein Landstrich im Mittelalter


Vianden war eine mittelalterliche Grafschaft, etwa in der Größe des heutigen Luxemburgs.

Zur bewegten Geschichte

Damals, also mit Erhalt des Freiheitsbriefs [1308], wurde Vianden zu einer mittelalterlichen Hauptstadt und damit zum politischen Zentrum. Die Grafschaft Vianden umfasste zu dieser Zeit 136 Dörfer und stand mit seiner geografischen Fläche bis Prüm und Bitburg dem heutigen Luxemburg in nichts nach. Die befestigte Stadt lag zu den Füßen der Burgruine, von der sie beschützt und beherrscht wurde. 24 halbkreisförmige Türme und 5 Pforten markierten entlang der Ringmauer die Stadtgrenze.


Weil sie denneuzeitlichen Verkehr aufhielten, fielen sie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Abrisskommandos zum Opfer.


Während des 15. Jahrhunderts wohnten rund 3.000 Einwohner in Vianden. Damit war sie die dritte Stadt des Landes und verdankte ihren Wohlstand dem Talent der Künstler und dem Können der Handwerker, die in sieben Zünften zusammengeschlossen waren: Gerber, Tuchmacher, Küfer, Maurer, Schneider, Schlosser und Goldschmiede.


Letztere schufen eine beeindruckende Zahl von weltlichen und religiösen Kunstwerken, die über den ganzen Raum der Ardennen und der Eifel verbreitet sind.


Die sieben Zünfte hatten das Recht, eigene Maße für Flüssigkeiten, Getreide, Gewichte und Ellenwaren zu gebrauchen.


Ein Kuriosum am Rande...
das Viandener "Ohm" (158 l) entspricht ziemlich genau einem Barrel (159 l) und das "Fouss" der Länge eines DIN A4 Blattes.


(Auszug aus einer Festschrift zur 700 Jahrfeier der Stadt Vianden 2008) - http://www.cv.leader.lu/_dbfiles/webpage/28/Parcours10.pdf


Die Burg

wurde zum Symbol des Unglücks und des Leidens, die über Vianden hereinbrachen. Für die Herrscher aus dem Hause Nassau, die Vianden im 15. Jahrhundert durch Erbschaft erhielten, war die Grafschaft Vianden nur eine untergeordnete Herrschaft. Sie wohnten nicht in der Burg und ließen die Grafschaft durch Amtmänner verwalten. Es war der Beginn des Niedergangs der Stadt Vianden, der beschleunigt wurde durch die Aufhebung der Grafschaft im Jahre 1794, die Abtretung von 42 Dörfern der vormaligen Grafschaft an Preußen durch den Wiener Kongress von 1815, und durch die Errichtung einer Zollgrenze zwischen Vianden und diesen Dörfern nach dem Austritt Luxemburgs aus dem Zollverein im Jahre 1918.

(aus: http://www.vianden-info.lu/)

15 - Moselfranken / Luxemburg / VIANDEN - Siebenbürgen

Ja - so kann es also gewesen sein. Aus der Gegend der Grafschaft VIANDEN zogen Familien Richtung Südost-Europa / Ungarn / Siebenbürgen. Sie siedelten hier und da auf dem Weg dorthin - blieben vielleicht in Nachbarschaftsgruppen und heimischen Familienverbänden zusammen. Verschiedene Familien können so aus dem moselfränkischen Raum als VIANT's namentlich bezeichnet worden sein oder haben sich einen solchen Namen gewählt (und auch in all den vielfältigen Varianten) = nämlich als die, die aus der Grafschaft VIANDEN kommen .... - sie wählten als Familiennamen den Ortsnamen, ein "Toponym" ...

Längs des Gesamtweges, den Herr Dr. Schuster aus Luxemburg nach Hermannstadt per Fahrrad zurückgelegt hat, wohnten zu unterschiedlichen Zeiten  (z.T. auch noch heute) auch immer VIANT-Familien ...
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Zitat:
"Zur Entwicklung der Familiennamen kann festgestellt werden, daß sie öfters durch Ortsnamen verdrängt wurden, so daß wir heute kaum einen Ort des Trierer Raumes unter den Familiennamen vermissen..."

aus: Archiv für Sippenforschung, Heft 105 53. Jahrgang Februar 1987: Trierer Geburtsbriefe 1548—1796, Neue Folge Nr. 346-458 im Anschluß an Heft 67 (1977) - Von Eduard L i c h t e r , Eugenstraße 27, 5500 Trier

und noch ein Zitat zum luxemburgischen Ortsnamen "Marnach":
"Gab die erste Familie, die sich dort niederließ, dem Ort ihren eigenen Namen? (Vergl. Echternach als Gründung des Epternus)
Wahrscheinlich war es umgekehrt: es nannten sich Personen, die von Marnach aus in die Welt zogen, nach ihrem Heimatort, sie wählten als Familiennamen einen "Ortsnamen, ein Toponym".
... In Luxemburg gibt es heute noch zahlreiche Einwohner mit dem Namen Marnach, (von 85 im Jahr 1880 haben sie sich auf 137 im Jahr 1984 vermehrt), in der Gemeinde Marnach dagegen keine mehr."
aus: http://www.marnach.info/luxemburg/01MarnachundLuxemburg/cluxsiedlungsnamen.html









20. August 2007


Auf den Spuren der Ahnen: Mit dem Fahrrad von Luxemburg nach Hermannstadt

Seit Jahren fasziniert Dr. Alfred K. Schuster das Thema Reisewege im Mittelalter. So war es nahe liegend, dass er sich einmal auf den Weg machen würde, den vor 800 bis 900 Jahren „Teutones, Flandres und Wallones“ einschlugen, um in ein „gelobtes Land“, eine neue Heimat auszuwandern. In diesem Sommer war es so weit, er entschied sich für das Fahrrad. Er wollte einen Bogen spannen von Luxemburg, der Kulturhauptstadt 2007 im Westen Europas, nach Hermannstadt, in die Kulturhauptstadt im Osten, in der er vor 70 Jahren geboren wurde.


Am 4. Juni verließ ich Luxemburg, beeindruckt von dem immensen Kulturprogramm, das in der Stadt und Region geboten wird. Meine Reise führte mich nach Trier, von dort über den Hunsrück nach Mainz, wobei ich mehrere Kilometer auf der noch gut erhaltenen Rö­merstraße, der Via Ausonia, geradelt bin. Meine nächsten Stationen waren die mittelalterlichen Handelsmetropolen Würzburg, Bamberg, Nürn­berg, Amberg, Regensburg und Passau und dann Wien. Je weiter ich nach Os­ten kam, umso mehr Leuten begegnete ich, die etwas über die Kulturhauptstadt Hermann­stadt wussten. Ich folgte vor allem den Wegen, die einst die mittelalterlichen Städte verbanden, und nur selten dem beliebten Donau-Radweg.




Mit dem Fahrrad auf den kulturellen Spuren der Ahnen: Dr. Alfred K. Schuster


Ungarn durchquerte ich von Nordwest nach Südost, auf Nebenwegen, die Györ und die Abtei Pannonhalma (St. Martin) mit dem politischen Zentrum der Magyaren im Hochmittelalter, Sze­kesfehervar, verbinden. Von dort fuhr ich an die Donau, die ich bei Dunaföldvar überquerte. Ich fuhr weiter nach Südosten, besichtigte zwei Nationalparks. Ich wollte herausfinden, ob es im 11., 12. Jahrhundert möglich war, das Schwemm­land und die Sumpfwälder der Theißebene zu durchqueren. Diese Frage muss ich heute verneinen. Wahrscheinlich zogen die damaligen Sied­lertrecks an der Donau weiter nach Süden. Vermutlich bis zur Drau- und Theißmündung, und dann erst nach Nordosten, um an den Mieresch zu gelangen. Im 2003 neu gegründeten Kloster Morisena bei Csenad, einem ehemaligen Bischofsitz, das den Namen des 1002 in byzantinischen Schriften erstmals erwähnten al­ten Klosters trägt, wurde ich vom Popen zum Mittagessen eingeladen. Er sagte: „Reisende emp­fangen wir auch heute noch wie vor tausend Jahren“, und schränkte dann ein: „jedoch nicht Touristen, die mit dem Auto kommen“.


Am 14. Juli erreichte ich Hermannstadt und fuhr zum Hunsrück (heute Strada Centumvirilor), um einen Gruß zu überbringen, den mir Ein­heimische aus dem Hunsrück im Westen mitgegeben hatten. Im Gepäck hatte ich zwei weitere Grußbotschaften, eine der Lands­mannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und eine der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt, die ich Frau Pavel vom Demokra­tischen Forum der Deutschen in Siebenbürgen übergab, die beide Schreiben an Bürgermeister Klaus Johannis weiterleitete. Erfreulich war, dass mich Bischof Dr. Christoph Klein, obwohl unangemeldet, für ein kurzes Gespräch empfing.


Und Hermannstadt? Die alten Mauern erleben in diesem Sommer einen nie dagewesenen Kulturrausch. Täglich kulturelle Großereignisse auf der Bühne am Großen Ring, im Festzelt auf der Piaţa Unirii und anderswo. In den Gassen Menschen aus vieler Herren Länder mit Reise­führern in den Händen, die eines der vielen kulturellen Angebote wahrnehmen oder das vielfältige kulinarische Angebot an einem der Tische in und vor den Restaurants genauso genießen wie das bunte, fröhliche Treiben auf den Straßen und Plätzen der Stadt. Ein Sprachenbabylon schwirrt durch die Altstadt und alle, mit denen ich gesprochen habe, waren begeistert und sahen verständnisvoll über die noch existierenden Baustellen hinweg.






Mit dem Fahrrad auf dem Hunsrück in Hermannstadt.


Dass ich als Siebzigjähriger eine solche Reise unternommen habe, war nicht nur der Hermannstädter Zeitung einen Bericht wert, sondern auch der Zeitung Monitorul de Sibiu und der rumänischen Presseagentur. Radio Romania brachte ein längeres Interview über meine Reise und meine Eindrücke von meiner Heimatstadt. 41 Tage war ich unterwegs, an 31 habe ich im Sattel gesessen und die Strecke von 2 475 km bewältigt. An den restlichen zehn Tagen habe ich Kultur, Natur und Kräfte ge­tankt. An sehr heißen Tagen (35 bis 37 Grad C) habe ich bis zu sieben Liter Wasser getrunken und wieder ausgeschwitzt.


Unterwegs führte ich viele Gespräche: auf der Straße, in Kneipen, in Klöstern und anderswo über die Kultur­haupt­städte Europas 2007, aber auch über die Emigration deutscher Siedler aus Moselfranken und dem Rheinland nach Siebenbürgen. Am Ende meiner Reise bummelte ich eine Woche lang durch die Straßen meiner Kindheit und Jugend. Ich war auf den Spuren unserer Vor­fahren in die Geschichte abgetaucht und erkannte am Ziel, dass meine Reise auch eine Reise in die Zukunft Hermannstadts war.


Dr. Alfred K. Schuster, Clausthal-Zellerfeld