ONOMASTIK (NAMENSKUNDE)
Stammformen:
Viand/en,-er:
Ortsname Luxemburg
viant:
mittelhochdeutsch für "Feind"
wigant:
mittelhochdeutsch für "Kämpfer"
vivianus:
lateinisch für "der Lebhafte"
wicnand
kühner Kämpfer
viande:
französisch für "Fleisch"
Vianen
Ortsnamen in den Niederlanden
Viana:
lateinisch für "am Wege wohnend"
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Namen:
Von Vivianus:
Vian(t)/Wian(t)
Von viant (Feind):
Fiand/Fieand (auch V u. W)
Von wicnand:
Wigant/Wiegand
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Nachweise für Namensvorkommen mit Jahresangaben – die sich aus der jeweiligen Stammform entwickelt haben:
Feind:
1446 Lotze Fyand zu Kassel
1492 Feyntt Schweinfurt
1536 Georg Findt, Herrenberg
1647 Henrich Fiandus, Grebenstein (Hessen)
Wigant:
1350 Wigant, Waiblingen
1561 Wigand, Freiburg/Brsg.
1589 Weingand
1599 Weyant
Hier ist also die Namens-Stammform "Viant" mit seinen Varianten benannt, und es zeigte sich, dass sie neben "Wiegand" existiert (hat).
Warum man in diesen Quellen den "Weyant" (1599) so eindeutig zum Stamm "Wigant" sortiert, zumal m. W. das mittelhochdeutsche lange i im nieder-hochdeutschen zum ei wird (vgl. wip zu Weib), ist fragwürdig.
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Quellen: Literatur zur Namensforschung, Namenskunde, Onomastik: Die Altmeister: Gottschald, Max und Brechenmacher, Josef K.;
VIANT = mittelhochdeutsch = Feind
Von der Namensbedeutung her müssen also die Veränderungen von der mittelhochdeutschen Form her mitbedacht werden (vielfach haben sich unmittelbare Reste vom Mittelhochdeutschen enthalten im "Mundartlichen", Plattdeutschen bzw. Niederdeutschen, im Niederländischen und Friesischen...):
In den mundartlich geprägten ländlichen Grenzgebieten - abseits der jeweiligen sprachlichen Mainstreams und der sich allmählich entwickelnden dann urban-industriell dominierten "deutschen" "Hochsprache" blieb der Familienname VIANT an sich mit seinen ursprünglichen ia-Lauten, hin zum ei-Laut, hin zum einfachen Vokal-Laut: a-e-i bestehen, wenn auch in einer extrem unterschiedlich modulierten Schreibweise: VIANT, FIAND, WIANDT - daneben VENDT, FENDT, FENDT, WENT, WENDT - VINDT, FINDT, WINDT - VAYANDT, WAYANDT, FEYAND - FEYND, FEIND, FEINDT - evtl sogar PFEINDT, PFANDT, VANDT, WANDT und viele Varianten mehr ... - ehe sich dann mehrheitlich sicherlich FEIND, WENDT, WINDT, WAND, durchsetzte. Aber alle diese Varianten können durchaus in der Namensträgerlinie direkt verwandt sein miteinander über die Jahrhunderte dieser mundartlichen sprachlichen Entwicklung ...
Und die matrikelführenden Kirchenbeamten - und daneben dann die Standesbeamten - beurkundeten die Namen so, wie sie sie hörten - bzw. wie sie sie vor Ort schon kannten: ein VIANT wurde zum WIEGAND "eingedeutscht", ein WIEGAND wurde zum VAJAND "eingemeindet", zum FENDT, VANDT, FINDT, WINDT usw.
Mit den romanisch-lateinischen "Gelehrten"-"Hoch"-Sprachen, die sich im elsässisch-lothringischen und im englischen und niederländisch-flämisch aber auch wallonischen Sprachgebiet mit mittelhochdeutschen Sprachfloskeln in den Namen mischten und durchsetzten, dominierte in diesem Namen der Begriff "VIA" = der Weg / die "richtige" Richtung;
VIANT bedeutete hier nicht mehr der "Feind" sondern in erster Linie "der am Wege Wohnende", der die "richtige" Richtung Angebende, der (heutzutage) den "Mainstream", die "Laufrichtung" Bestimmende, der An- oder auch "Ver-"Führende - während DE-VIANT - als Bezeichnung - der "Gegen-den-Strom-Schwimmende", der Outsider, der Besondere, der Außenseiter, der Individulist und Einzelne bedeuten kann.
Wenn man diesen Namen VIANT/WIEAND trägt und nachspürt, fängt man an, sich in diese Bedeutungen hineinzufühlen. Und bekommt dann auch ein Feeling dafür, was dieser Namen wohl meint.
Ansonsten ist es ein Familienname, der von vielen äußerlich und wirtschaftlich und glaubensmäßig erzwungenen Migrations-Exzessen mitgeprägt und verändert wurde - aus welchen (Glaubens-/Existenz-)Gründen heraus auch immer - verstreut über ganz Europa - in der gesamten zumindest westlichen Hemisphäre... (einschließlich Australien und auch Südafrika) ...
Die "Wiganth"-(Kämpfer)-Namensvarianten - mit den Entwicklungen hin zu Weygandt, Vajandt usw. vermischten sich also immer wieder an den Borderlines mit den "Viant"-(Feind)-Varianten und den "Via"-(Wegrichtung)-Varianten - und gehen in den Schreibweisen die tollsten Symbiosen bzw. Verwechselungen ein:
Besonders Menschen bzw. Matrikelführer, für die muttersprachlich diese drei Kernvarianten fremd blieben, brachten es hier zu den abenteuerlichsten Verwechselungen und kreativen Neuschöpfungen, die meiner heutigen Namens- und Familienforschung schon von daher eindeutige Grenzen aufzeigen.