Der Name "W-i-e-a-n-d" war für mich, für unsere Familie, fast ein "Makel". Ständig mussten wir ihn vorbuchstabieren - ständig wurde er falsch geschrieben. Fast peinlich war es, dass uns zum "gängigen" Wiegand, Wieland, Wienand der entsprechende Buchstabe fehlte.
Aber ich wusste aus einem Ahnenpass meines Vaters, dass schon vor 150 Jahren unser Name "V-i-a-n-t" geschrieben wurde, und zwar in Ungarn, wo meine Vorfahren, aus Europa irgendwann eingewandert, bis ca. 1900 lebten. Auch damals fehlte also dieser "normale" Buchstabe mittendrin.
So begann meine Namens- und Familienforschung unter dem Stichwort "Viant und Varianten" Ende 1976. Ich war (und bin) Laie auf diesem Gebiet und musste mir alle Fakten anlesen und entsprechend kombinieren und zusammen puzzeln.
Hierbei mag es manch einen Fehlschluss gegeben haben. Für eine jede Korrektur wäre ich dankbar. Ich lege hier eine immer nur vorläufige Zusammenfassung vor, die Hinweise enthält, dass unser Name nicht "Opfer" eines "schlampigen" Standesbeamten oder Pfarrers sein muss, sondern dass wir diesen Namen (vielleicht) durchaus "zu Recht" tragen.
Die Beispiele, die ich im Folgenden nenne, sollen aufzeigen, daß die Namensform "Viant und Varianten" zumindest zwischen 1400 und 1800 verbreitet war und z.T. heute noch Reste davon vorhanden sind.
Die hier angegebenen Beispiele sind ein Zwischenergebnis. So habe ich meine Forschung noch nicht ausgeweitet auf "(F)(V)Wey(i)(h)and(t)", Fendt, Findt, Windt, Feind u.a.
Festzustellen ist aber schon, dass sich die Stammform "Viant" in "verkehrsärmeren" Gegenden Europas und in Auswanderungs-/ Besiedlungsländern vereinzelt gehalten und erhalten hat, und es sich bei den entsprechenden Varianten nicht nur um Verballhornungen der wesentlich häufigeren Form "Wiegand", "Wieland", "Wienand" handeln muss.
Bei den "Viant"-Wohnorten fällt aber auch die oftmalige Nähe von nationalen Grenzen auf: Grenzen aber waren oftmals in den Jahrhunderten umkämpftes Kriegsgebiet, in dem es "Feinde" gab - hüben wie drüben: Der "Feind" jedoch war alt-/mittelhochdeutsch der "Viant" - und viele Feinde waren die "Vianden" (zunächst einmal ganz losgelöst von der gleichnamigen Grafschaft in Luxembourg) ...
VIANT = mittelhochdeutsch = Feind
Von der Namensbedeutung her müssen also die Veränderungen von der mittelhochdeutschen Form her mitbedacht werden (vielfach haben sich unmittelbare Reste vom Mittelhochdeutschen enthalten im "Mundartlichen", Plattdeutschen bzw. Niederdeutschen, im Niederländischen und Friesischen...):
In den mundartlich geprägten ländlichen Grenzgebieten - abseits der jeweiligen sprachlichen Mainstreams und der sich allmählich entwickelnden dann urban-industriell dominierten "deutschen" "Hochsprache" blieb der Familienname VIANT an sich mit seinen ursprünglichen ia-Lauten, hin zum ei-Laut, hin zum einfachen Vokal-Laut: a-e-i bestehen, wenn auch in einer extrem unterschiedlich modulierten Schreibweise: VIANT, FIAND, WIANDT - daneben VENDT, FENDT, FENDT, WENT, WENDT - VINDT, FINDT, WINDT - VAYANDT, WAYANDT, FEYAND - FEYND, FEIND, FEINDT - evtl sogar PFEINDT, PFANDT, VANDT, WANDT und viele Varianten mehr ... - ehe sich dann mehrheitlich sicherlich FEIND, WENDT, WINDT, WAND, durchsetzte. Aber alle diese Varianten können durchaus in der Namensträgerlinie direkt verwandt sein miteinander über die Jahrhunderte dieser mundartlichen sprachlichen Entwicklung ...
Und die matrikelführenden Kirchenbeamten - und daneben dann die Standesbeamten - beurkundeten die Namen so, wie sie sie hörten - bzw. wie sie sie vor Ort schon kannten: ein VIANT wurde zum WIEGAND "eingedeutscht", ein WIEGAND wurde zum VAJAND "eingemeindet", zum FENDT, VANDT, FINDT, WINDT usw.
Mit den romanisch-lateinischen "Gelehrten"-"Hoch"-Sprachen, die sich im elsässisch-lothringischen und im englischen und niederländisch-flämisch aber auch wallonischen Sprachgebiet mit mittelhochdeutschen Sprachfloskeln in den Namen mischten und durchsetzten, dominierte in diesem Namen der Begriff "VIA" = der Weg / die "richtige" Richtung;
VIANT bedeutete hier nicht mehr der "Feind" sondern in erster Linie "der am Wege Wohnende", der die "richtige" Richtung Angebende, der (heutzutage) den "Mainstream", die "Laufrichtung" Bestimmende, der An- oder auch "Ver-"Führende - während DE-VIANT - als Bezeichnung - der "Gegen-den-Strom-Schwimmende", der Outsider, der Besondere, der Außenseiter, der Individulist und Einzelne bedeuten kann.
Wenn man diesen Namen VIANT/WIEAND trägt und nachspürt, fängt man an, sich in diese Bedeutungen hineinzufühlen. Und bekommt dann auch ein Feeling dafür, was dieser Namen wohl meint.
Ansonsten ist es ein Familienname, der von vielen äußerlich und wirtschaftlich und glaubensmäßig erzwungenen Migrations-Exzessen mitgeprägt und verändert wurde - aus welchen (Glaubens-/Existenz-)Gründen heraus auch immer - verstreut über ganz Europa - in der gesamten zumindest westlichen Hemisphäre... (einschließlich Australien und auch Südafrika) ...
Die "Wiganth"-(Kämpfer)-Namensvarianten - mit den Entwicklungen hin zu Weygandt, Vajandt usw. vermischten sich also immer wieder an den Borderlines mit den "Viant"-(Feind)-Varianten und den "Via"-(Wegrichtung)-Varianten - und gehen in den Schreibweisen die tollsten Symbiosen bzw. Verwechselungen ein:
Besonders Menschen bzw. Matrikelführer, für die muttersprachlich diese drei Kernvarianten fremd blieben, brachten es hier zu den abenteuerlichsten Verwechselungen und kreativen Neuschöpfungen, die meiner heutigen Namens- und Familienforschung schon von daher eindeutige Grenzen aufzeigen.