INTERNATIONAL TRANSLATOR

Homepage Übersetzung

MY PEDIGREE BY "GENEANET"

MY PEDIGREE BY "GENEANET"
Hier eine Seite aus meinem GENEANET-PEDIGREE, den ich laufend aktualisiere: (1 x draufclicken - oder folgende GENEANET-Adresse wählen: http://gw1.geneanet.org/index.php3?b=ewieand&lang=de)

Horst Klusch: Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen - 31 pdf-Seiten

Horst Klusch: Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen - 31 pdf-Seiten
Sehr lesenswert in Bezug auf das Thema: VIANT-VIANDEN - draufclicken -

Fernand Fehlen: Kritische Arbeit zum "Zusammenhang": Luxemburg - Siebenbürgen

Fernand Fehlen: Kritische Arbeit zum "Zusammenhang": Luxemburg - Siebenbürgen
in jedem Falle ebenfalls lesenswert - hier zum Lesen clicken

Montag, 14. Januar 2013

Die VIANT-FAMILIEN-SAGA: Votivbild aus der ungarndeutschen Kolonistengemeinde Györköny, 1724


Votivbild aus der ungarndeutschen Kolonistengemeinde
Györköny, 1724 - lisa.gerda-henkel-stiftung.de

Votivbild aus der ungarndeutschen Kolonistengemeinde in Györköny, 1724 - 
dort wohl einstmals als unverbrüchliches Zeugnis des lutherischen Glaubens angebracht - 

wohin zu jener Zeit bereits VIAN(D)T-Familien  als lutherische Exulanten/Glaubensflüchtlinge gezogen waren - 

nach einer insgesamt wohl fast 200-jährigen Odyssee - will man den Familienerzählungen glauben - seit mindestens 1536 immer wieder auf der Flucht, wohl auch um ihres lutherischen Glaubens willen als protestantische Glaubensflüchtlinge - in Reaktion auf die Gegenreformation allerorten - zunächst wahrscheinlich ins Elsass bzw. Lothringen - dann so scheint es ins Burgenland/Wieselburger Komitat zu den Heidbauern - und schließlich weiter nach Györköny und Lajoskomárom ...

nach einer Stippvisite von Ungarn in die USA zu Beginn des 20. Jhdt. mit seinem Bruder Stefan/Istvan ließ sich mein Großvater Mathias/Matyas Wieand in Dortmund als Bergarbeiter - später in Waltrop als Schuhmacher - nieder ...

... und ich berichte Ihnen fast weitere 300 Jahre später davon - aus dem "Ruhestand" - nach 40 Jahren Dienst mit behinderten Menschen in Bethel und in Lemgo - also in der lutherisch-kirchlichen Diakonie  - wo bereits mein Vater aus Dortmund als Nazareth-Diakon in Bethel eingesegnet worden war - und dort in den so genannten "Dienst mit der blauen Schürze" gerufen wurde - 

... unsere Familie mit diesem uralten VIAN(D)T-/WIEAND-Namen hat es aufgrund dieses Dienstes dann bis hierher nach Bielefeld-Sennestadt verschlagen: 

Eine Familiengeschichte also: - seit fast 500 Jahren quer durch West-, Mittel- und Südosteuropa - getrieben mit all den Facetten protestantischen Glaubens - aber auch durch die jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnisse  ... - 

... also - auch der lutherische Glaube kann "genetisch" prägen ;-) ... - und deshalb: 

Danke für ein immer wieder behütetes An- und Heimkommen ...

Familieninfo: Herkunft aus dem Elsass ...


Lieber Edward! 
Leider habe ich keine schriftlichen Dokumente über die Herkunft aus dem Elsass unserer Familie. 
Mein Urgrossvater [János Wieand /1864-1954]erzählte mir, dass im Jahre 1536 die Familie Wieand aus dem Elsass gekommen ist.
In Ungarn lebten sie zuerst im Komitat Moson, dann, nach einer Zeit, sind sie in das Komitat Tolna weitergezogen. 
Ich weiss es nicht, in welchen Orten sie dort genau gelebt haben. 
Im Komitat Tolna arbeiteten sie auf einem gräflichen Grundbesitz. Ich weiss leider den Namen dieses Dorfes nicht. 
Sie waren Lutheraner. Und noch heute ist unsere Familie lutherisch. Der Graf wollte, dass die Familie in die katolische Religion übertreten solle. 
So bewegten sie sich lieber weiter nach Varsad.
Dann hat Herzog Lajos Batthyány das Dorf Lajoskomárom gegründet um 1802, und die Deutschen dort angesiedelt. Für die Ansiedler hat er Grundstücke zur Verfügung gestellt. 
Sebestyén Wieand /Viand/ hat sich wegen diesen Möglichkeit auf den Weg gemacht und ist in das Dorf Lajoskomárom umgezogen. 
Grüsse: Katalin Schnitz /Merényi Mihályné/

Ich heisse Katalin Schnitz.  Geboren am 22.Nov.1939 in Lajoskomárom
Wohnort: Várpalota , Komitat Veszprém 
Kommentar: 
Auch wenn dieser kurze Abschnitt der "Familienchronik" der V/Wi(e)an(d)(t) / Viant / Viand / Wiandt durch keine direkt einsehbaren Urkunden belegt ist - entspricht der Inhalt haargenau aber den derzeitig gängigen "Viant/Wieand-Theorien" - wenigstens des Zweiges, der sich in Ungarn wohl im ausgehenden 17./bzw. frühen 18.Jhrdt. ansiedelte.
Da z.B. Henry Fischer vom DVHH.org immer wieder auf die "Heidbauern"/"Hapauer" beharrt beim Ursprung der Wieand-Familie (frühe Ansiedler in Kötcse, Györköny - und dann in Lajoskomarom) kommt ein längerer Aufenthalt von einigen Generationen im Komitat Moson/Sopron/Györ durchaus in Frage, wo man sich auch mit den Heidbauern assimilierte. 




Die Herkunft der Viant aus Alsace/Lorrain bzw. aus Meurthe/Moselle ist sehr wahrscheinlich: "Geneanet" führt derzeit über 4400 Namensträger (V-I-A-N-(D)-T) dort zwischen 1600-1950 auf ...!
Das Beharren auf die lutherische Religion spricht aber eventuell auch dafür, dass die Familien Vian(d)t auch im ansonsten katholischen Elsass und Lothringen vielleicht nur immer auf der "Durchreise" als protestantische Glaubensflüchtlinge in Reaktion auf die Gegenreformation allerorten waren (s. z.B. http://viant-family.blogspot.de/2010/06/mennonitica.html und http://viant-family.blogspot.de/2009/03/viants-als-bernische-wiedertaufer.html)

Herzlichen Dank liebe Katalin

Montag, 4. Juli 2011


Ich bekam dieser Tage die Original-Hardcopy aus dem Kirchenbuch der Schottenpfarre in Wien von "September 1646" aufgrund eines entsprechenden Posts in diesem Blog (http://viant-family.blogspot.com/2010/09/johann-wieandt-trauung-in-der.html) zugeschickt. Mit viel fachkundiger Hilfe habe ich versucht, diesen Eintrag zu entziffern.

Leider kann man hier keinen Herkunftsort des JOANNES WIEANDT bei seiner Hochzeit mit der Witwe EGERTIN in Wien im September 1646 ablesen, was ja vielleicht ein Hinweis auf die Herkunft des "Spitzenahn" all der Vian(t)/Wiean(d)t usw. in Ungarn in den darauf folgenden Jahrhunderten gewesen wäre... 



(Bearbeitete Reproduktion der "Hardcopy" - Ausschnitt - Original-Quelle: matricula-online.eu)

Mit viel Hilfe konnten wir folgenden Text entziffern:

Der Erbare Mann Joannes Wieandt Ein Wayl[and](?)1 Bott.2 Nimbt zu der Ehe (Vilutam? oder Vasulam? oder Vidutam? [= Witwe]) Egertin, weillandt3 Matthiae Egert(er?) hinderlaßne Wittib4. Testes5 Georgius Waldtmann Bürger und Brew6 alhie7, Adamus Holtzinger Bürger und Brew6… alhie7

___________________________________

1 „Wayl[and]“ = hier in der Bedeutung: Früherer, Gewesener - der folgende Beruf ["Bott."] kann in dieser als „ehemalig“  bezeichneten Form auch der Beruf des Bräutigamvaters gewesen sein  - oder man vermerkt den "vormaligen" Beruf des Joannes W. - weil er in Wien auf der Durchreise ist, und diesen seinen bisherigen Beruf an den Nagel gehängt hat - um etwas Neues anzufangen – der „Bote“ („Bott.“) wird in alten Urkunden auch oftmals mit dem „Tagelöhner“ gleichgesetzt …

2 „Bott.“ = Bote oder Botticher/Böttcher (s.o. unter 1)

3 „weillandt“ = hier in der Bedeutung: der Verstorbene

4 „Wittib“ = Witwe

5 „Testes“ = Zeugen

6 „Brew.“ = kann die zeitgemäße Abkürzung für den Beruf des „Brauers“ sein … - oder des "Breviarius" (Briefmaler/Schreiber)

 7 „alhie“ = hier am Ort, also Wien

Besonderen Dank in diesem Zusammenhang an Dr. C.G. Junkers (für die Original-Hardcopy) - und an Heinrich Büsemeyer (für die "theure" Transkriptions-Hilfe) ...

Sonntag, 19. Juni 2011

Lajoskomárom ist die Heimat meiner Vorfahren väterlicherseits.1820 wurde dort mein Ur-Ur-Großvater Adam Viand(t) geboren ... Mein Großvater Matyas Wieand verließ Lajoskmárom 1903 und ging für ein paar Jahre nach USA - kam dann aber nach Dortmund 1906.

Danke "mosbergerl" - für dieses schöne Video: 
 Lajoskomárom aus der Vogelperspektive.


Samstag, 18. Juni 2011

WANTED: SEBASTIAN / SEBESTYÉN VIAN(D)T | *1757 or 1767 | +1831 (HUNGARY) | VIDEO-SUCHE


Wo und Wann wurde Sebastian/Sebastianus/Sebestyén geboren???
Wer waren seine Eltern???
Where Sebastian/Sebastianus/Sebestyén was born???
Who were his parents???
__________________
Musik: ABSOLUTE - SEBASTIAN ...

Mittwoch, 15. Juni 2011

Neues von den Wieandt-Bankern: Axel Wieandt wechselt zur Credit Suisse


Ackermann verliert Nachwuchs-Star
Spross einer traditionsreichen Banker-Familie: Axel Wieandt

Er galt als eine der größten Hoffnungen der Deutschen Bank, sogar als Nachfolger von Josef Ackermann war er im Gespräch. Nun verlässt Ex-HRE-Chef Axel Wieandt überraschend seinen einstigen Förderer - und heuert bei der Konkurrenz an.

Der entscheidende Bruch in Axel Wieandts Karriere war eigentlich als Karrieresprungbrett gedacht: Im Oktober 2008 entsandte Josef Ackermann seinen Zögling auf den Chefposten bei der Skandalbank Hypo Real Estate (HRE). Dort sollte er sich als Aufräumer für höhere Aufgaben empfehlen. Doch schon im März 2010 gab Wieandt den Posten nach heftigem Kompetenz-Gerangel mit dem Bankenrettungsfonds Soffin entnervt auf und flüchtete zurück zur Deutschen Bank. Bei dem Streit soll es unter anderem um die Deckelung von Mitarbeiter-Gehältern gegangen sein.
 

Nun wechselt Wieandt zum 1. Juli zur Schweizer Großbank Credit Suisse, wo er als Managing Director im Investment Banking in Deutschland und Österreich arbeiten soll. Das teilte die Credit Suisse am Mittwoch mit.

Nach seiner Rückkehr zur Deutschen Bank hatte Wieandt nie mehr richtig Fuß gefasst. Zuletzt war er für Integrationsprojekte zuständig. Seinen zwischenzeitlich geplanten Wechsel an die Spitze der Deutsche-Bank-Tochter BHF verhinderte Finanzkreisen zufolge die Finanzaufsicht BaFin. Die Deutsche Bank äußerte sich nicht zu Wieandts Wechsel. Kreisen zufolge soll der Manager selbst bei der Deutschen Bank gekündigt haben.

Der 44-jährige Wieandt stammt aus einer traditionsreichen Bankerfamilie. Sein Vater Paul Wieandt galt als Sanierungsexperte und leitete unter anderem die Landesbank Rheinland-Pfalz und die Bank für Gemeinwirtschaft. Axel Wieandts Schwester Dorothee ist Managerin bei der Investmentbank Goldman Sachs und mit dem Chef der Commerzbank, Martin Blessing, verheiratet.

SPIEGEL-ONLINE - stk/Reuters/dpa - Bild: aus ZEIT-ONLINE

Donnerstag, 11. November 2010

Latinisierung ...













Latinisierung von Familiennamen
Der Familienname ist für uns heute unverrückbarer Bestandteil unserer Identität. In früheren Jahrhunderten war dies allerdings nicht der Fall, Umbenennungen waren durchaus möglich.

In Deutschland kam der lange Prozess der Ausbildung fester, erblicher Familiennamen erst im Jahr 1874 mit der Einführung des Standesamtes zu einem Abschluss. So war es beispielsweise in den Zeiten des Humanismus in gebildeten Kreisen sehr beliebt, deutsche Namen ins Lateinische oder auch Griechische zu übersetzen oder sie mit einer entsprechenden Endung zu versehen. Noch heute zeugen viele unserer Familiennamen von dieser Modeerscheinung. Lateinische Übersetzungen deutscher Namen sind etwa die Namen Sartor bzw. Sartorius für Schneider oder Schröder,Molitor für Müller bzw. Möller, Praetorius (lat. Vorsteher, Statthalter) für Schultheiss,Schulze oder Scholze. Namen wie Jacobi oder Wilhelmi sind lateinische Entsprechungen von Jakobs oder Wilhelms.

Manche Namen erhielten damals durch schlichtes Anhängen der Endung -ius sozusagen einen „klassischen” Anstrich: So wurde etwa aus Dehl, einer Kurzform von Dietrich, der Name Delius, aus Mathes wurde Mathesius.

aus: http://www.duden.de/deutsche_sprache/sprachberatung/newsletter/archiv.php?id=139


Meine Anmerkung dazu: Wie wurde wohl im Humanismus der Familienname STRASSER latinisiert oder der Familienname WEGNER / WEGENER (wenn er nicht eine Form von Wagner / Wagenmacher / Stellmacher war - sondern sich auf den "WEG" bezog ...) ???

Mittwoch, 10. November 2010

Namens-Suffix "-(a)nt" / -(a)nd" - "Viant" ???












Auszug aus einer Hauptseminararbeit 2004 - Germanistik / Linguistik:

Die Entwicklung der deutschen Familiennamen in Wien

von: Maria Gstöttner


1. Einleitung


Familiennamen gibt es im deutschen Sprachraum noch keine 1000 Jahre. Erst im 12. Jahrhundert begann sich die Familiennamengebung langsam auszubilden. Vorher gab es aufgrund der überschaubaren Bevölkerungszahl noch keinen Bedarf, zur Identifizierung einen weiteren Namen als den Rufnamen zu führen. Zwar trugen Mitglieder des Adels schon Beinamen, diese galten aber als Individualnamen und wurden meist nicht an die Nachkommen weitervererbt. Aus diesen Beinamen allerdings entwickelten sich langsam die Familiennamen. Anhand literarischer Quellen lässt sich feststellen, dass als Beinamen von Personen oft Herkunft oder Wohnstätte angegeben wurde. Weiters wurden Berufsbezeichnungen, körperliche oder charakterliche Eigenschaften und auch Verwandtschaftsbeziehungen als nähere Personenkennzeichnungen verwendet. Durch das Wachsen der Städte im 12. und 13. Jh. stieg der Bedarf nach einer exakteren Namengebung allmählich an. Die germanischen Rufnamen waren in der Verwendung zurückgegangen und auch die neuen christlichen Rufnamen konnten das Defizit nicht ausgleichen. Dazu wurden Rufnamen innerhalb Familien von Generation zu Generation weitervererbt, sodass „präzisierende Kennzeichnungen auch im sozialen Kleinverband notwendig wurden.“1


Angefangen von den höheren Schichten und Städtern breitete sich die Namengebung nach und nach bis in alle Schichten und Gegenden aus. Anfangs kam es mitunter zu einem Nebeneinander von verschiedenen Benennungen für eine einzige Person. In schriftlichen Aufzeichnungen wurden oft alle möglichen Angaben über eine Person gemacht, um sie eindeutig zu identifizieren. Am längsten blieben Knechte, Mägde und Dienstboten ohne eigenen Familiennamen. Sie wurden oft durch den Namen des Dienstgebers benannt. Die Pflicht zum Tragen eines fixen Familiennamens wurde erst im 18. Jh. eingeführt. Heute stehen wir einer Fülle von Familiennamen gegenüber, deren einstige Bedeutung wir meist weder auf Anhieb verstehen, noch hinterfragen. Die Bedeutung, die der Name zur Zeit seines Entstehens innehatte steht nicht mehr im Vordergrund, wenn wir den Familiennamen von jemand erfahren. Untersucht man die Namen dennoch nach ihrer ursprünglichen Bedeutung, indem man ihre etymologischen Wurzeln freilegt, erhält man interessante Einblicke in den langwierigen Prozess der Familiennamengebung. Aufgabe und Ziel dieser Arbeit ist es anhand einer begrenzten Anzahl von Familiennamen, die aus Regesten von Urkunden der Stadt Wien 2 entnommen wurden, zu veranschaulichen, auf welche Art und Weise die Namen gebildet wurden und was sie zum Zeitpunkt ihres Entstehens um 1510 bedeutet haben. Die 42 unterschiedlichen Familiennamen geben Einblicke in Zusammenhänge von Gesellschaft und Sprache ihrer Entstehungszeit, da sie „zumindest zum Zeitpunkt ihrer Entstehung mehr oder weniger motiviert sind“3. Das heißt, sie reflektieren quasi die Umstände ihrer Benennung. Die insgesamt 42 Namen von 1510 werden abschließend auf ihr Fortbestehen in der Gegenwart untersucht.


2. Arten und Bildung von Familiennamen


2.1. Herkunftsnamen


Einerseits durch die starke Binnenwanderung im Mittelalter und der großen Landflucht der bäuerlichen Bevölkerung in die Städte, vor allem aber durch die beginnende Ostsiedlung im 11. und 12. Jh. erhielt ein großer Teil der Menschen ihren Familiennamen nach ihrer Heimat bzw. Herkunft. Herkunftsnamen konnten jedoch auch durch Zusammenhänge entstehen, z.B. durch Handelsbeziehungen, oder längeren Aufenthalt in einem bestimmten Ort. Besonders in den Städten bildeten Herkunftsnamen am Anfang der Namengebung die zahlenmäßig stärkste Gruppe. Ihr Anteil nimmt aber immer mehr ab. Sie „sind die instabilste Gruppe.“4


Da immer nur eine kleine Gruppe von Personen den gleichen Herkunftsnamen trägt, wirkt sich das Aussterben von Familien sehr stark auf den Bestand von Herkunftsnamen aus. Zu Beginn der Familiennamengebung wurden Herkunftsnamen mit der Präposition von bzw. lat. de angegeben, wie z.B. die Belege 5 Guntheri de Dresden (1295), oder Heynrich von Kemnicz (1308) zeigen. Gelegentlich wurde auch das Vorwort aus verwendet. Später wird zur Bildung des Herkunftsnamen auch das Suffix –er benutzt. Die Benennung von Bewohnern eines Ortes wurde so zum Familiennamen. Anfangs schienen die Namen noch mit Artikel auf, wie Heinrich der Wiener (14. Jh.). Diese verschwanden dann allmählich ganz. Heute hieße diese Person einfach Heinrich Wiener. Das Suffix –er ist im deutschen Sprachraum nicht überall gleich verbreitet. Vor allem das Oberdeutsche, zu dem wir auch das Wienerische zählen, weist es bei Herkunftsnamen häufig auf. Teilweise kommen die Herkunftsnamen auch in ihrer reinen Gestalt, also ohne Suffix oder Präposition, als Familiennamen auf, wie das Beispiel Günther Leipzig zeigt. Solche Namen entstanden meist durch Kürzung, oder wurden als Übernamen vergeben, welche kein Suffix benötigen. Existierten am Anfang der Familiennamengebung noch alle Typen von Herkunftsnamen nebeneinander, setzte sich nach und nach in jeder Gegend ein bestimmter Bildungstyp durch. Die Bildung mit Präposition verschwand fast ganzheitlich. Im Oberdeutschen dominierte die -er Suffixbildung schon früh und drang von dort aus ins Mitteldeutsche vor, wo sie sich jedoch nicht völlig durchsetzen konnte. Im Niederdeutschen fehlt die –er Bildung fast völlig. Herkunftsnamen werden gelegentlich auch mit anderen Suffixen gebildet, wie z. B. der Name Böhmisch (zu Böhmen) zeigt. Auf weitere Bildungssuffixe wird bei den Wohnstättennamen eingegangen, die eine ähnliche Bildung aufweisen. Da im Oberdeutschen viele Ortsnamen mit dem Suffix -ing gebildet werden, sind auch Herkunftsnamen auf -inger sehr häufig. Durch das in Tirol übliche Suffix -au sind auch Namen auf -aber und -ober üblich. 6

2.2 ...

_________________________________________________

1 Naumann, Horst: Das große Buch der Familiennamen. Alter. Herkunft. Bedeutung. Niedernhausen: Falken Verl. 1994. S. 11.

2 Vgl. Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. 2. Abteilung. Regesten aus dem Archive der Stadt Wien. Bd. 4. Verzeichnis der Originalurkunden des städtischen Hauptarchives 1494-1526. 1. Halbband. Bearbeitet von Dr. J. Lampel. Wien 1917. S. 259-270.

3 Naumann. S. 13.-14.

4 Kunze, Konrad: dtv -Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. München: Deutscher Taschenbuch Verl. 1998. S. 85.

5 Vgl. Fleischer, Wolfgang: Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung. Berlin: Akademie Verl. 1964. S. 107f.

6 Bach, Adolf: Deutsche Namenkunde. Bd. I: Die deutschen Personennamen. 2. Die deutschen Personennamen in geschichtlicher, geographischer, soziologischer und psychologischer Betrachtung. Mit 8 Skizzen. 3. unver. Aufl. Heidelberg: Carl Winter Universitätsverl. 1978. (= Adolf Bach Bd. I, 1 und 2: Die deutschen Personennamen. Band II, 1 und 2: Die deutschen Ortsnamen.)

Textauszug aus 30 Seiten

__________________________________________________

Wiener Dialekt

weanarisch - wienerisch
eine kleine Wiener Dialektkunde


"Des is halt weanarisch, holodaro, a Witz, a Kern, so reden d'Leut' in Wean,
vor so aner Ausdrucksweis' hot ma Respekt, so klingt da echte unverfälschte Weana Dialekt."

Refrain aus: Nach´n alten Weanaschlag

....

Weana =  Wiener

( Auszug aus: http://www.wien-vienna.at/freizeit.php?ID=529 )

_________________________________________________


Meine Frage dazu:

Könnte jemand aus Wien ("Wean") oder jemand, der "über Wien" gekommen ("zuagreist") ist, aber nicht "Weanerisch" spricht - um 1650 beim Matrikelführer (z.B. in Wien in der Schottenpfarre 1649 - s. Post) "mundartlich" zu "Weand" /"Wieandt"/"Viant"/"Wiandt" sprachlich / orthographisch mutieren ... ???

(Bsp.: der, der "Musik" ausübt - ist ein "Musik-ant" - der, der sich auf "Wien - Wean" bezieht - ist ein "Wi(an)a-nt" - "We(an)a-nt" ... ???)

Lateinische Suffixe
Suffix
ursprüngliche lateinische Form
Bedeutung
Derivate (Beispiele)
-ns (Gen. -ntis)
Partizip Präsens Aktiv: Agens eines Geschehens oder einer Handlung
Agent, Brillant, Informant
-ndus, -a, -um
Gerundivum: (vorgesehenes oder gewünschtes) Objekt eines Geschehens oder einer Handlung
Analysand, Doktorand, Konfirmand, Promovend

Auszug aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_lateinischer_Suffixe 



_______________________________________________________



IST AUCH EINE  -NT ODER -ND-SUFFIX-BILDUNG FÜR (lat.) "VIA" (DER WEG - DIE STRASSE - bzw. "ÜBER" ...) MÖGLICH  UND KORREKT ??? -


Da ich kein Lateiner bin - habe ich keine Ahnung ... - aber es würde ja etwas erklären, wenn in der "latinisierenden" Namensentwicklungszeit im ausgehenden Mittelalter (z.B. Paracelsus, Vulpius, Agricola, Mercator usw.) - und im Übergang zur Renaissance eine solche Familiennamens-Bildung (VIANT u.a.) sich erklären ließe... - siehe dazu auch Post oben:  ...

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Die Vogelsberg/Hessen-Connection: 1720 Vent aus Grünberg nach Ungarn - Fendt in Moson/Sopron/Györ - (1720/30 Viandt in Györköny) - 1730 Viant in Kötcse




Wenn es also diese apostrophierte Namens-Entwicklungsverwandtschaft VIANT/VENDT/WIEAND tatsächlich gibt, hat sich folgende neue Spur ergeben:


aus: http://www.chronik-crainfeld.de/auswanderer.htm


Auswanderer nach Ungarn 1720/21

Den Hintergrund für die erste größere Auswanderung in der Geschichte des Vogelsberges bildete die hemmungslose und rücksichtslose Jagdleidenschaft des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1678-1739). Durch das überhand nehmende Wild, die Parforcejagden über Äcker und Wiesen, und die Erhöhung der Steuern wurden insbesondere die oberhessischen Bauern wirtschaftlich ruiniert. Auch die stark zugenommene Bevölkerung nach dem 30jährigen Krieg, die aufgrund der in Oberhessen gültigen Realteilung zu einer Verkleinerung der Güter geführt hatte, dürfte mit ursächlich gewesen sein. Ab 1720 erschienen in der Landgrafschaft Hessen gezielt Werber im Auftrag des römisch-deutschen Kaisers und ungarischen Königs aus dem Haus der Habsburger, Karl VI., die Siedler für die brach und wüst liegenden Gegenden im kurz zuvor in den Türkenkriegen gewonnenen Ungarn und Siebenbürgen suchten. Trotz der Behinderung dieser Werbungen durch die landgräflichen Beamten wanderten 1720/21 insgesamt 300 Personen aus den oberhessischen Ämtern Alsfeld, Grebenau, Lißberg und Nidda nach Ungarn aus. Aus Crainfeld wanderten mindestens sieben Personen aus, aus dem benachbarten Bermuthshain zwei Familien. Die folgenden Angaben zu den Auswanderern aus Crainfeld ins Königreich Ungarn sind dem Hessischen Archiv-Dokumentations- und Informationssystem (HADIS) und der Veröffentlichung "Grebenhain. Geschichte und Gegenwart der Dörfer im südöstlichen Vogelsberg" von 1995 entnommen.
 
Bauermeister, Johann Jost, Herkunft: Schlechtenwegen. - Auswanderungsdatum: nach 1721 / Ziel: Ungarn. - Ehepartner: Helene Katharina B., geb.: Wacker / Crainfeld, 1 Kind(er). - Bemerkungen: cop. am 23.02.1719 in Crainfeld. Quelle: Auswandererkartei Ernst Wagner; D. Luth. Ungarn
 
Bauermeister, Susanna, Herkunft: Crainfeld. - Auswanderungsdatum: nach 1721 / Ziel: Ungarn. - Alter/geb.: geb: 21.11.1719, Eltern: Johann Jost B., Helene Katharina B., geb.: Wacker. Quelle: Auswandererkartei Ernst Wagner; D. Luth. Ungarn
 
Jost, Johannes, Herkunft: Crainfeld. - Auswanderungsdatum: 1721 / Ziel: Ungarn. Quelle: Auswandererkartei Ernst Wagner; Geschichtsblätter des Kreises Lauterbach Nr. 39
 
Wacker, Helene Katharina, Herkunft: Crainfeld. - Auswanderungsdatum: 1721 / Ziel: Ungarn. - Ehepartner: Johann Jost Bauermeister aus Schlechtenwegen. - Bemerkungen: cop. mit s.o. am 23.02.1719, nach Calazno 1721. Quelle: Auswandererkartei Ernst Wagner; D. Luth. Ungarn
 
Linker, Bernhard, Müller aus Crainfeld, 1720 ausgewandert.
 
Krisch, Johann Philippus, Bauer aus Crainfeld, geboren 8.9.1691 in Crainfeld, 1720 ausgewandert.
 
  • Vent, Johannes, wohnhaft in Crainfeld, Färber aus Grünberg, 1720 ausgewandert.




















2


Zoltán Tefner schreibt in seinem Aufsatz: Kolonisationsgeschichte der hessischen Sekundärgemeinde Kötsching/Kötcse (Beiträge zur Volkskunde der Ungarndeutschen 13, 1997)

































Johann Viandt - aus dem "Fuldischen Raum" - starb 1788 im Alter von 80 Jahren in Kötcse - geboren also 1708... - er kann z.B. ein Sohn jenes "Johann Vent aus Crainfeld, Färber aus Grünberg", gewesen sein - aus dem "Fuldischen Raum" - und - wie Tefner andernorts betont, aus dem Vogelsberg-Gebiet ...









Im Urbarial von Kötcse 1767 ist von den anfänglichen 3 Wiand(t)s  (Georg, Jacob und Johann) nur noch ein "Viganth" / "Viant" Janos (Johannes) übrig geblieben ....


Kötcse/Kötsching  ist wahrscheinlich eine Sekundärsiedlung - vielleicht aus den Familien gespeist, die in Györköny als Viandt  über 100 Jahre konstant in den Matrikeln auftauchen. Sie sollen eine besondere - allerdings umstrittene - Herkunftsverbindung zu den "Hianzen" bzw. zu den "Heidebauern", den "Hapauern" aufweisen (Heiraten untereinander, Patenwahl bei Kindstaufen usw.)
Dieses "Hianzen-/Heidebauern-Gebiet" ist im Bereich österreichisches Burgenland/Neusiedler See/Westungarn (Györ-Sopron-Moson) anzusiedeln.

Johann Vendt  kann aber 1720 zuerst - vielleicht mit einer größeren Familie, mit Geschwistern und fast erwachsenen Söhnen - dort in Westungarn angekommen sein (Primäransiedlung) - und dann ist er und/oder seine älteren Söhne als "Viant/Viandt"  weiter gezogen nach Györköny (Sekundäransiedlung) (Friedrich Viandt - *1711) - ziemlich assimiliert inzwischen mit dem "Heidebauern"-Clan - und dann ein weiterer Familien-Zweig nach Kötcse um 1730.

3
 In Westungarn (Sopron-Györ-Moson) tauchen - zumindest später -  Familien-Zweige Wendt/Vendt/Fendt/Windt auf:




Dies ist sicherlich eine recht kühne Hypothese ... - aber sie ist auch doch irgendwie "plausibel" - und darstellbar. Die Zeit wird bringen, wie "belastbar" sie ist ...





mailto:info@eddywieand-sinedi.de

Dienstag, 12. Oktober 2010

"Offentlig Viendemanß Spil gespileth" - das Fingerhakeln ...???

Einen trotz eines tragischen Ereignisses eher heiteren Zufallsfund fand ich bei der Suche nach der Bedeutung des Stammwortes "VIANT" aus dem Jahre 1552 in einem im Internet veröffentlichten Buch: Jan Peters: Märkische Lebenswelten - Gesellschaftsgeschichte der Herrschaft Plattenburg auf S. 23:







Bei einem Spiel, wo jemand zwei Finger verliert, dürfte es sich bei "Viendemanß Spil" (abgeleitet vielleicht aus dem Wortstamm VIANT = mhd. Feind) um das gute alte Fingerhakeln (bis heute eine althergebrachte "bayerische"[!] Sitte) gehandelt haben ... ;-))

Dieser Zufallsfund macht aber auch die uralte Grundsatzfrage auch in der Namensforschung aktuell: "Was war zuerst - Huhn oder Ei ?...":

Vianden in Luxemburg heißt wahrscheinlich Vianden, weil die Burgherren dort für irgendwen
damals "die Feinde" waren ... (?)...
Die Namensträger VIANT [mit allen Varianten] hießen vielleicht so nach dem Gebiet, aus dem sie stammten, vielleicht waren aber auch sie für
irgendwen "der Feind" - der Viant... -

Und für jemanden Feind sein oder Feind werden, war und ist ja eine recht "dynamische" Angelegenheit - besonders auch im Mittelalter und im Laufe der Jahrhunderte ...

Ob wir es jemals lösen werden ?

Sonntag, 10. Oktober 2010

Vianden - ein Landstrich im Mittelalter - so groß wie das heutige Luxembourg


Vianden war eine mittelalterliche Grafschaft, etwa in der Größe des heutigen Luxemburgs.

Zur bewegten Geschichte

Damals, also mit Erhalt des Freiheitsbriefs [1308], wurde Vianden zu einer mittelalterlichen Hauptstadt und damit zum politischen Zentrum. Die Grafschaft Vianden umfasste zu dieser Zeit 136 Dörfer und stand mit seiner geografischen Fläche bis Prüm und Bitburg dem heutigen Luxemburg in nichts nach. Die befestigte Stadt lag zu den Füßen der Burgruine, von der sie beschützt und beherrscht wurde. 24 halbkreisförmige Türme und 5 Pforten markierten entlang der Ringmauer die Stadtgrenze.


Weil sie denneuzeitlichen Verkehr aufhielten, fielen sie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Abrisskommandos zum Opfer.


Während des 15. Jahrhunderts wohnten rund 3.000 Einwohner in Vianden. Damit war sie die dritte Stadt des Landes und verdankte ihren Wohlstand dem Talent der Künstler und dem Können der Handwerker, die in sieben Zünften zusammengeschlossen waren: Gerber, Tuchmacher, Küfer, Maurer, Schneider, Schlosser und Goldschmiede.


Letztere schufen eine beeindruckende Zahl von weltlichen und religiösen Kunstwerken, die über den ganzen Raum der Ardennen und der Eifel verbreitet sind.


Die sieben Zünfte hatten das Recht, eigene Maße für Flüssigkeiten, Getreide, Gewichte und Ellenwaren zu gebrauchen.


Ein Kuriosum am Rande...
das Viandener "Ohm" (158 l) entspricht ziemlich genau einem Barrel (159 l) und das "Fouss" der Länge eines DIN A4 Blattes.


(Auszug aus einer Festschrift zur 700 Jahrfeier der Stadt Vianden 2008) - http://www.cv.leader.lu/_dbfiles/webpage/28/Parcours10.pdf


Die Burg

wurde zum Symbol des Unglücks und des Leidens, die über Vianden hereinbrachen. Für die Herrscher aus dem Hause Nassau, die Vianden im 15. Jahrhundert durch Erbschaft erhielten, war die Grafschaft Vianden nur eine untergeordnete Herrschaft. Sie wohnten nicht in der Burg und ließen die Grafschaft durch Amtmänner verwalten. Es war der Beginn des Niedergangs der Stadt Vianden, der beschleunigt wurde durch die Aufhebung der Grafschaft im Jahre 1794, die Abtretung von 42 Dörfern der vormaligen Grafschaft an Preußen durch den Wiener Kongress von 1815, und durch die Errichtung einer Zollgrenze zwischen Vianden und diesen Dörfern nach dem Austritt Luxemburgs aus dem Zollverein im Jahre 1918.

(aus: http://www.vianden-info.lu/)







info@eddywieand-sinedi.de

Samstag, 9. Oktober 2010

Moselfranken / Luxemburg / VIANDEN - Siebenbürgen

Ja - so kann es also gewesen sein. Aus der Gegend der Grafschaft VIANDEN zogen Familien Richtung Südost-Europa / Ungarn / Siebenbürgen. Sie siedelten hier und da auf dem Weg dorthin - blieben vielleicht in Nachbarschaftsgruppen und heimischen Familienverbänden zusammen. Verschiedene Familien können so aus dem moselfränkischen Raum als VIANT's namentlich bezeichnet worden sein oder haben sich einen solchen Namen gewählt (und auch in all den vielfältigen Varianten) = nämlich als die, die aus der Grafschaft VIANDEN kommen .... - sie wählten als Familiennamen den Ortsnamen, ein "Toponym" ...

Längs des Gesamtweges, den Herr Dr. Schuster aus Luxemburg nach Hermannstadt per Fahrrad zurückgelegt hat, wohnten zu unterschiedlichen Zeiten  (z.T. auch noch heute) auch immer VIANT-Familien ...
__________________________________



Zitat:
"Zur Entwicklung der Familiennamen kann festgestellt werden, daß sie öfters durch Ortsnamen verdrängt wurden, so daß wir heute kaum einen Ort des Trierer Raumes unter den Familiennamen vermissen..."

aus: Archiv für Sippenforschung, Heft 105 53. Jahrgang Februar 1987: Trierer Geburtsbriefe 1548—1796, Neue Folge Nr. 346-458 im Anschluß an Heft 67 (1977) - Von Eduard L i c h t e r , Eugenstraße 27, 5500 Trier

und noch ein Zitat zum luxemburgischen Ortsnamen "Marnach":
"Gab die erste Familie, die sich dort niederließ, dem Ort ihren eigenen Namen? (Vergl. Echternach als Gründung des Epternus)
Wahrscheinlich war es umgekehrt: es nannten sich Personen, die von Marnach aus in die Welt zogen, nach ihrem Heimatort, sie wählten als Familiennamen einen "Ortsnamen, ein Toponym".
... In Luxemburg gibt es heute noch zahlreiche Einwohner mit dem Namen Marnach, (von 85 im Jahr 1880 haben sie sich auf 137 im Jahr 1984 vermehrt), in der Gemeinde Marnach dagegen keine mehr."
aus: http://www.marnach.info/luxemburg/01MarnachundLuxemburg/cluxsiedlungsnamen.html









20. August 2007


Auf den Spuren der Ahnen: Mit dem Fahrrad von Luxemburg nach Hermannstadt

Seit Jahren fasziniert Dr. Alfred K. Schuster das Thema Reisewege im Mittelalter. So war es nahe liegend, dass er sich einmal auf den Weg machen würde, den vor 800 bis 900 Jahren „Teutones, Flandres und Wallones“ einschlugen, um in ein „gelobtes Land“, eine neue Heimat auszuwandern. In diesem Sommer war es so weit, er entschied sich für das Fahrrad. Er wollte einen Bogen spannen von Luxemburg, der Kulturhauptstadt 2007 im Westen Europas, nach Hermannstadt, in die Kulturhauptstadt im Osten, in der er vor 70 Jahren geboren wurde.


Am 4. Juni verließ ich Luxemburg, beeindruckt von dem immensen Kulturprogramm, das in der Stadt und Region geboten wird. Meine Reise führte mich nach Trier, von dort über den Hunsrück nach Mainz, wobei ich mehrere Kilometer auf der noch gut erhaltenen Rö­merstraße, der Via Ausonia, geradelt bin. Meine nächsten Stationen waren die mittelalterlichen Handelsmetropolen Würzburg, Bamberg, Nürn­berg, Amberg, Regensburg und Passau und dann Wien. Je weiter ich nach Os­ten kam, umso mehr Leuten begegnete ich, die etwas über die Kulturhauptstadt Hermann­stadt wussten. Ich folgte vor allem den Wegen, die einst die mittelalterlichen Städte verbanden, und nur selten dem beliebten Donau-Radweg.




Mit dem Fahrrad auf den kulturellen Spuren der Ahnen: Dr. Alfred K. Schuster


Ungarn durchquerte ich von Nordwest nach Südost, auf Nebenwegen, die Györ und die Abtei Pannonhalma (St. Martin) mit dem politischen Zentrum der Magyaren im Hochmittelalter, Sze­kesfehervar, verbinden. Von dort fuhr ich an die Donau, die ich bei Dunaföldvar überquerte. Ich fuhr weiter nach Südosten, besichtigte zwei Nationalparks. Ich wollte herausfinden, ob es im 11., 12. Jahrhundert möglich war, das Schwemm­land und die Sumpfwälder der Theißebene zu durchqueren. Diese Frage muss ich heute verneinen. Wahrscheinlich zogen die damaligen Sied­lertrecks an der Donau weiter nach Süden. Vermutlich bis zur Drau- und Theißmündung, und dann erst nach Nordosten, um an den Mieresch zu gelangen. Im 2003 neu gegründeten Kloster Morisena bei Csenad, einem ehemaligen Bischofsitz, das den Namen des 1002 in byzantinischen Schriften erstmals erwähnten al­ten Klosters trägt, wurde ich vom Popen zum Mittagessen eingeladen. Er sagte: „Reisende emp­fangen wir auch heute noch wie vor tausend Jahren“, und schränkte dann ein: „jedoch nicht Touristen, die mit dem Auto kommen“.


Am 14. Juli erreichte ich Hermannstadt und fuhr zum Hunsrück (heute Strada Centumvirilor), um einen Gruß zu überbringen, den mir Ein­heimische aus dem Hunsrück im Westen mitgegeben hatten. Im Gepäck hatte ich zwei weitere Grußbotschaften, eine der Lands­mannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und eine der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt, die ich Frau Pavel vom Demokra­tischen Forum der Deutschen in Siebenbürgen übergab, die beide Schreiben an Bürgermeister Klaus Johannis weiterleitete. Erfreulich war, dass mich Bischof Dr. Christoph Klein, obwohl unangemeldet, für ein kurzes Gespräch empfing.


Und Hermannstadt? Die alten Mauern erleben in diesem Sommer einen nie dagewesenen Kulturrausch. Täglich kulturelle Großereignisse auf der Bühne am Großen Ring, im Festzelt auf der Piaţa Unirii und anderswo. In den Gassen Menschen aus vieler Herren Länder mit Reise­führern in den Händen, die eines der vielen kulturellen Angebote wahrnehmen oder das vielfältige kulinarische Angebot an einem der Tische in und vor den Restaurants genauso genießen wie das bunte, fröhliche Treiben auf den Straßen und Plätzen der Stadt. Ein Sprachenbabylon schwirrt durch die Altstadt und alle, mit denen ich gesprochen habe, waren begeistert und sahen verständnisvoll über die noch existierenden Baustellen hinweg.






Mit dem Fahrrad auf dem Hunsrück in Hermannstadt.


Dass ich als Siebzigjähriger eine solche Reise unternommen habe, war nicht nur der Hermannstädter Zeitung einen Bericht wert, sondern auch der Zeitung Monitorul de Sibiu und der rumänischen Presseagentur. Radio Romania brachte ein längeres Interview über meine Reise und meine Eindrücke von meiner Heimatstadt. 41 Tage war ich unterwegs, an 31 habe ich im Sattel gesessen und die Strecke von 2 475 km bewältigt. An den restlichen zehn Tagen habe ich Kultur, Natur und Kräfte ge­tankt. An sehr heißen Tagen (35 bis 37 Grad C) habe ich bis zu sieben Liter Wasser getrunken und wieder ausgeschwitzt.


Unterwegs führte ich viele Gespräche: auf der Straße, in Kneipen, in Klöstern und anderswo über die Kultur­haupt­städte Europas 2007, aber auch über die Emigration deutscher Siedler aus Moselfranken und dem Rheinland nach Siebenbürgen. Am Ende meiner Reise bummelte ich eine Woche lang durch die Straßen meiner Kindheit und Jugend. Ich war auf den Spuren unserer Vor­fahren in die Geschichte abgetaucht und erkannte am Ziel, dass meine Reise auch eine Reise in die Zukunft Hermannstadts war.


Dr. Alfred K. Schuster, Clausthal-Zellerfeld







info@eddywieand-sinedi.de

Moselfränkisch in den Dialekten der Donauschwaben










Moselfränkisch in den Dialekten der Donauschwaben

--------------------------------------------------------------------------------


Interview mit Dr. Hans Gehl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für donau-schwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen (5. März 2002)
[Die Fragen stellte Ernst Meinhardt, Redakteur bei der Deutschen Welle in Berlin]


Frage: Es gibt sechs donauschwäbische Siedlungsgebiete. Sie liegen im heutigen Rumänien, Ungarn, Serbien und Kroatien. Die Vorfahren der Donauschwaben kamen vor rund 300 Jahren aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Der Großteil stammte aber aus dem süd-westdeutschen Sprachraum. Im Laufe der Zeit haben sich in den donauschwäbischen Siedlungsgebieten Mischmundarten herausgebildet, die teils moselfränkisch, teils rheinfränkisch, teils bairisch-österreichisch geprägt sind. Ich sage bewusst ‚Mundarten‘, also Plural, denn einen einheitlichen donauschwäbischen Dialekt gibt es genauso wenig wie einen einheitlichen bairischen, sächsischen oder saarländischen Dialekt. Im Mittelpunkt unseres heutigen Interviews soll das Moselfränkische und sein Einfluss auf die Mundarten der Donauschwaben stehen. In welchen donauschwäbischen Siedlungsgebieten ist das moselfränkische Element besonders stark vertreten?

Gehl: Obwohl moselfränkische Ansiedler sicher auch in andere donauschwäbische Sied-lungsgebiete in Ungarn gekommen sind, z. B. ins Ungarische Mittelgebirge, in die Schwäbi-sche Türkei oder in die Batschka, können ihre Spuren heute praktisch sprachlich vor allem im Banat und in Neupalota bei Großwardein (Oradea), das zum Sathmarer Gebiet gehört, ermittelt werden. In Neupalota z. B. haben sich Formen wie Jonge, wat han mer heit?, also ‚Junge, was haben wir heute?‘ erhalten. Im Banat sind es je nach den primären Mundart-merkmalen:
- Erstens die moselfränkische Mundart von Neubeschenowa, also rumänisch Dudestii Noi, weil das im heutigen Rumänien liegt.
- Zweitens moselfränkisch-pfälzische Mischmundarten, z. B. in Neupetsch und Billed.
- Drittens westpfälzisch-moselfränkische Mischmundarten, also wie gesagt je nach den pri-mären Merkmalen. Die werden gesprochen in Bogarosch, Hatzfeld, Kleinbeschnenowa, Kleinjetscha, Knees, Lenauheim, Perjamosch und Sackelhausen. Also, alles im Banat, und zwar im rumänischen Teil des Banats.
- Viertens rheinfränkisch-moselfränkische Mischmundarten in Bruckenau, Deutschsanktpeter, Jahrmarkt, Tschanad, Tschene und Warjasch. Das wären die häufigsten.

Frage: Sie haben jetzt mehrfach das Wort ‚primäre Mundartmerkmale‘ verwendet. Was ist das?

Gehl: Es sind die wichtigsten Merkmale, die einen Dialekt vom anderen abgrenzen und eben zur Eingliederung einer Dialektform, das heißt einer sprachlichen Variante, verwendet werden.

Frage: Welches sind die kennzeichnenden Merkmale des Moselfränkischen?

Gehl: Das Moselfränkische gehört schon nicht mehr ganz zum Hochdeutschen und zum Niederdeutschen. Es bildet den Übergang vom Mittel- zum Niederdeutschen. Zu seinen primären Merkmalen zählt demnach unverschobenes ‚p‘ und ‚t‘, während ‚k‘ ja überall verscho-ben ist, außer ganz im Niederdeutschen. Es geht um Beispiele wie Appel für ‚Apfel‘, Pherd für ‚Pferd‘ oder et Kleenet für ‚das Kleine‘. Ebenfalls primäre Merkmale sind dat und wat, oder unverschobenes ‚t‘; sie wurden im Banat mit oberdeutscher Hilfe beseitigt wurden, weil sie zu auffällig gewesen wären.
Weiterhin geht es um auslautendes ‚b‘, das zu ‚f‘ verschoben wird in Beispielen wie Korf ‚Korb‘, gstorf‘ ‚gestorben‘, geft, also ‚gibt‘ im Sinne von ‚wird‘, et geft geruf – ‚es wird gerufen‘, oder hen geft geruf – ‚er wird gerufen‘.
Kommen wir zu den Pronominalformen wie hen und ne für ‚er‘, oder wen für ‚wer‘. Z. B. Wen hat et gsaat? – ‚Wer hat es gesagt?‘
Weiterhin geht es um Tonerhöhung von e > i, von o > u‚ parallel zur Senkung von i > e und von u > o. Ein typisches Beispiel dafür ist der 14. Wenker-Satz, wo es heißt: ‚Mein liebes Kind, bleib da unten stehen, die bösen Gänse beißen dich tot.‘ Das hört sich so an: Me leef Kind, bleif do onnen stien, die bies Gäns beißen deich tuut. [Der Sprachforscher Georg Wenker erhob um 1870 die 42 nach ihm benannten Kennsätze mit typischen grammatischen Formen aus etwa 2000 Ortschaften des Deutschen Reichs. Zusammen mit Ferdinand Wrede verwendete er das Material für den ‚Deutschen Sprachatlas‘.]


Frage: Damals vor 300 Jahren sind die Siedler ja – grob gesagt – aus dem Südwesten Deutschlands gekommen, also auch aus Gegenden, in denen Moselfränkisch gesprochen wird, z. B. aus Lothringen, aus Luxemburg, aus der Trierer Gegend, aus der Eifel. Wie ist es zu erklären, dass diese große Zahl der Siedler nicht auch ihren Ausdruck findet im Einfluss auf den Dialekt? Also, anders gesagt, der Einfluss des Moselfränkischen auf die Dialekte der Donauschwaben ist geringer, als es der Zahl der Siedler entsprechen würde. Wie ist das zu erklären?

Gehl: Bei der Entwicklung einer Sprachform kommt es zur Mischung und zum Sprachaus-gleich erster Stufe innerhalb der Sprecher einer Ortschaft, später auch zum Ausgleich zweiter Stufe in einer ganzen Region. Wobei auch das Rheinfränkische, Schwäbische oder Bairische, in unserem Fall entsprechend das Banater ‚Schwäbische‘ durchaus nicht einheitlich sind. Das Moselfränkische der zahlreichen Banater Ansiedler war nicht einheitlich, so dass die auffälligen Merkmale wie unverschobenes ‚t‘ in dat, wat, wie gesagt, mit oberdeutscher Hilfe beseitigt wurden, und auch die anderen Merkmale nur noch zum Teil vorhanden sind. Zu beachten ist in diesem Fall der prägende Einfluss der bairisch-österreichischen, also oberdeutschen Stadtsprachen, die natürlich auf die Dorfdialekte gewirkt haben. Durchsetzen können sich nicht nur die am stärksten vertretenen, sondern die einheitlichsten und einfachsten, der Standardsprache näher stehenden Dialekte. Im Banat z. B. nicht das Schwäbische, das ja auch nach dem schwäbischen Sprachforscher Hugo Moser als schwierig erklärt wurde, sondern das Pfälzische und das Rheinfränkische. Oder in der Schwäbischen Türkei in Ungarn das Hessische. Und in der Umgebung von Budapest und im Banater Bergland das Bairische mit seinen Varianten, weil die eben einheitlicher in diesen Gebieten waren. Es sind mehrere Faktoren, die hier mitspielen, natürlich auch psychologische Faktoren.


Frage: Sie haben jetzt wieder einen Fachausdruck benutzt: ‚Sprachausgleich‘. Was ist das?


Gehl: Sprachausgleich ist die Vereinheitlichung. Das heißt, die Sprecher müssen sich ja ver-ständigen können. Und im Zuge ihres Kommunikationsprozesses bleiben nun schwierigere Merkmale weg, und es setzen sich jene Merkmale durch, die alle verstehen. Das entspricht im Großen dem Ausgleich, damit irgendwann eine mehr oder weniger einheitliche Mundart-form, also Sprachvarietät entsteht.


Frage: Gibt es Angaben über die Anzahl der Lothringer, die damals vor 300 Jahren nach Südungarn ausgewandert sind? Ein Teil der Lothringer spricht bekanntlich Moselfränkisch. Wie sieht das prozentual aus, also der Prozentsatz der Lothringer gemessen an allen Ansiedlern von damals?


Gehl: Es ist sehr verlockend, diesen Dingen nachzugehen. Aber es liegen keine genauen Zahlen vor. Trotzdem kann man annehmen, dass der Anteil moselfränkischer Sprecher in einigen Banater Ortschaften beträchtlich war. Zahlen über die Herkunft der Einwanderer er-scheinen in mehreren Ortsmonographien. So kamen ab 1748 nach Neubeschenowa 309 deutsche Ansiedler, deren Herkunft zum Großteil ermittelt ist. Und zwar kamen von ihnen 141 aus dem Rheinland, 107 aus Hauenstein/Schwarzwald, 17 aus Lothringen, 10 aus Lu-xemburg, je 3 aus der Rheinpfalz und aus Österreich, 1 Ansiedler aus Westfalen. Bei der Ausbildung der moselfränkischen Ortsmundart wurde das Alemannische und auch das Rheinfränkische zurückgedrängt, also eigentlich eine Ausnahmeerscheinung.
Oder: Von den 626 Bruckenauer Ansiedlern mit ermittelten Herkunftsgebieten kamen 212 aus dem moselfränkischen Teil Lothringens, 18 aus Luxemburg und 18 aus Westfalen. Dazu 57 aus dem Rheinland, 27 aus der Rheinpfalz, 26 aus Bayern und 16 aus Baden-Württemberg, 13 aus Hessen. Das Moselfränkische erhielt sich bloß durch Relikte in der heute nordrheinfränkisch geprägten Ortsmundart.


Frage: Sie haben zwar gesagt, dass es schwierig ist, Zahlen anzugeben. Können Sie trotz-dem einen Versuch machen, dies prozentual einzuordnen, also Lothringer stellen soundsoviel Prozent der Ansiedler dar?

Gehl: Also, das ist wirklich eine schwierige Frage. Von den rund 200.000 donauschwäbischen staatlichen und privaten Siedlern im 18. und 19. Jahrhundert sind nach Schätzungen von Josef Volkmar Senz (Geschichte der Donauschwaben, 1987) – genaue Zahlenangaben fehlen also hier – ein Drittel fränkischer, pfälzischer, hessischer und moselfränkischer Herkunft, ein Drittel bairischer und ein Viertel schwäbischer bzw. auch alemannischer und elsäs-sischer Herkunft. Die restlichen acht Prozent sind Franzosen, Italiener, Spanier und andere Ethnien. Lothringer waren etwa – würde ich sagen – etwa zehn Prozent unter den Ansiedlern. Es ist eine ganz vorsichtige Schätzung. Doch das relativiert sich, wie gesagt, im Vergleich zum Ausgleich der einzelnen Dialekte, wobei sich die Zahl verschoben hat.
Zwei Beispiele würde ich geben. Im Banater Mercydorf wurden zuerst, also im Jahre 1734, Italiener angesiedelt. Das ist eine weniger bekannte Sache. Zu diesen kamen Deutsch-Lothringer, nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) schließlich Militärsiedler aus Böhmen, Mähren und Österreich, danach westdeutsche Einwanderer vom Rhein, von der Mosel und der Saar, so dass 1774 die Moselfranken in der Mehrheit waren. In der dritten Siedlungsperiode kamen 1874 Pfälzer Kolonisten, worauf sich eine pfälzische Ausgleichs-mundart herausbildete aus den Gründen, die ich vorhin genannt habe, weil diese Mundart etwas leichter war, sich besser durchsetzen konnte.
Oder ein zweites Beispiel: Von den Ansiedlern in Hatzfeld, heute Jimbolia im rumänischen Banat, stammen 44 Prozent aus dem Raum Trier, 25 Prozent aus Luxemburg, 17 aus Westfalen, also dem Sauerland, 7 Prozent aus Lothringen, 4 Prozent aus der Pfalz und 3 Prozent aus dem Bistum Mainz Es entstand aber hier eine rheinfränkische Mundart mit starkem moselfränkischen Einfluss.


Frage: Welche Mundarten haben die Mundarten der Donauschwaben am stärksten geprägt?


Gehl: Vom Charakter einer Siedlungsmundart lässt sich nicht auf den Herkunftsort der Sied-ler, höchstens auf eine Landschaft schließen. Denn diese Dialekte entwickeln sich ja selbst-ändig und haben sich in Deutschland weiter entwickelt. Also, man kann heute nicht sagen, ‚das entspricht dem und die Siedler kamen von dort‘. Verkehrsmundartlicher Ausgleich mit dem Prestige einzelner Sprechergruppen und dem prägenden Einfluss, wie gesagt, von städtischen Umgangssprachen sind die wichtigsten Faktoren, welche die Entwicklung der Dorfmundarten bestimmt haben. Man darf nicht vergessen, 250 Jahre sind ja auch gar nicht lange für die Entwicklung einer einheitlichen Mundart. Im Siebenbürgischen z. B. hat dieser Prozess 800 Jahre gedauert. Und es sind immer noch mehrere Varianten von Dialekten vorhanden.
Im Banat hat sich trotz beachtlichen moselfränkischen Zuzugs eine rheinpfälzische Verkehrsmundart herausgebildet. Das Pfälzische hat sich wegen seines einfacheren Laut- und Formensystems durchgesetzt und die etwas schwierigeren moselfränkischen oder schwäbischen Teile in den Dialekten verdrängt. Mundarten mit schwierigerem Laut- und Formensystem setzen sich nur dort durch, wo sie stark vertreten sind und keine Konkurrenz haben bzw. von anderen Mundarten gestützt werden. Etwa das Oberschwäbische der Sath-marer Schwaben, das sich bis heute erhalten hat, das Hessische in Süd-Ungarn oder, sagen wir, das Bairische im Ofener Bergland bei Budapest und im Banater Bergland.


Frage: Die Banater Schwaben und die Sathmarer Schwaben sind aus Rumänien weitestgehend ausgewandert. Die Donauschwaben in Ungarn wurden nach 1945 mindestens zur Hälfte vertrieben. Die Donauschwaben in Jugoslawien sind geflüchtet bzw. in Konzentrationsla-gern von Josip Broz Tito umgekommen. Also, es gibt nur noch einen sehr kleinen Restbe-stand an Donauschwaben in den alten Siedlungsgebieten. Wie sieht denn die Zukunft der donauschwäbischen Dialekte aus?


Gehl: Die Zahl der sogenannten donauschwäbischen Mundartsprecher ist heute gering. Gerade nach der massiven Aussiedlung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa seit den 1980er Jahren bestehen interessanterweise noch immer gesetzliche und praktische Möglichkeiten zur Bewahrung der deutschen Muttersprache bzw. der Ortsdialekte und des Unterrichts in deutscher Sprache, vor allem in Rumänien. Natürlich werden die nicht so sehr genutzt, eben weil kein Bedarf mehr besteht und der Bedarf immer geringer wird. Doch das Deutsche wird nach der Zersiedlung und Auflösung der deutschen Sprachgemeinschaften in den früheren Siedlungsgebieten immer mehr zurückgehen, und dadurch werden die deutschen Institutionen ihre Funktion verlieren. Allerdings hat das Deutsche als Fremdsprache bzw. als Tourismussprache noch eine reelle Chance zum Fortbestehen in Südosteuropa. Deutsch wird ja, wie wir wissen, auch in Ungarn gerade als erste Fremdsprache gelernt. Ob es sich als Verkehrssprache neben dem gewaltsam vordringenden Englisch behaupten kann, das ist die große Frage. Die wenigen verbliebenen Donauschwaben könnten als Katalysator in der Bewahrung der deutschen Verkehrssprache wirken. Das ist die Feststellung, während in Deutschland die Sprecher der zweiten und dritten Generation sich natürlich der Standard-sprache und den Verkehrsmundarten des jeweiligen Gebiets, in das sie gelangt sind, wahr-scheinlich anpassen werden.


Frage: Damit haben Sie eigentlich schon eine Frage vorweggenommen. Die meisten Do-nauschwaben und ihre Nachkommen leben heute in Deutschland, in Österreich, in den USA, in Kanada, in Australien, in Brasilien, in Argentinien. Hat Donauschwäbisch eine Chance, auch dort in diesen neuen Heimatländern zu überleben?


Gehl: Wohl kaum. Es ist eben eine Familiensprache. Es wird in verschiedenen Institutionen noch gepflegt, vielleicht auch in kulturellen Darbietungen. Aber, sagen wir z. B. Entre Rios, diese Siedlung der Donauschwaben in Brasilien, im Bundesstaat Parana, die wird ja auch zu Portugiesisch übergehen, weil die Heirat zwischen den einzelnen Familienmitgliedern mit auswärtigen Partnern dazu führt, dass das Portugiesische vordringt, in Ungarn das Ungari-sche, in Rumänien wohl das Rumänische. Also, in dem Sinne werden sich diese Dialekte nicht mehr erhalten, denn es besteht keine Notwendigkeit mehr, dass sie sich als solche erhalten werden.

Frage: Und im ehemaligen Jugoslawien, sagen wir das noch dazu, also in Serbien und Kroa-tien, ist wahrscheinlich der donauschwäbische Dialekt, ich nenne das jetzt in Anführungsstrichen so, im Laufe der letzten fünfzig Jahre durch Ungarisch, durch Serbisch, durch Kroatisch verdrängt.

Gehl: Na ja, mit denen ich sprechen konnte, hat man das schon gesehen, dass die Enkel z. B. ein Lied wie ‚Hänschen Klein‘ in der Schule lernen, aber in Standardsprache. Der Dialekt als solcher wird nicht mehr gepflegt. Manche Leute verstehen ihn noch. Er kann auch ein bisschen gefördert werden. Aber er hat in dem Sinne keine Zukunft. Man denke bloß daran, dass in Serbien vielleicht noch 8.000 Überlebende von den Donauschwaben vorhanden sind, in Kroatien 4.000 bis 5.000 vielleicht. Das ist eine Zahl, die nicht aussagekräftig ist und nicht dafür stehen kann, dass diese Mundartvariante sich weiter erhält.

Frage: Wann wird Ihrer Schätzung nach der letzte donauschwäbische Mundartsprecher verschwinden?


Gehl: Sprecher – das kann man wohl voraussagen. In zehn bis höchstens zwanzig Jahren schätze ich mal, dass man nicht mehr diese Mundartvariante spricht. Aber eben die Erinne-rung, dass man einer Ethnie angehört oder angehört hat, die etwas Besonderes hat, die wirkt wohl nach. Es sind bestimmte kulturelle Einflüsse, die bei den Nachfolgegenerationen dazu führen werden, dass sie sich für ihre Geschichte interessieren. Und es ist interessant, dass sie auch Beziehungen knüpfen zu den jeweiligen Ländern, aus denen ihre Vorfahren kamen. Das ist interessant für die Beziehungen zwischen den Ländern. Und auch in Zukunft wird das wohl so weitergehen. Aber die Sprache an sich ist nicht mehr gefragt und wird wohl aussterben.


Frage: Herr Dr. Gehl, Sie sind Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für donauschwäbi-sche Geschichte und Landeskunde in Tübingen. Wann, von wem und mit welchem Ziel wur-de dieses Institut gegründet?


Gehl: Das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde wurde vom Land Baden-Württemberg am 1. Juli 1987 als eine nachgeordnete Forschungseinrichtung in Tübingen gegründet mit dem Ziel, die Geschichte, Landeskunde und Dialekte der deutschen Siedlungsgebiete in Südosteuropa sowie die Integration der Heimatvertriebenen wissen-schaftliche zu erforschen und zu dokumentieren.

Frage: Wer finanziert das Institut?

Gehl: Das Institut wird vom Innenministerium des Landes finanziert und gehört, wie das Jo-hannes-Künzig-Institut für ostdeutsche Volkskunde in Freiburg, zur Kulturabteilung des In-nenministeriums Baden-Württemberg.


Frage: Was hat Sie veranlasst, sich gerade mit dem Kapitel Mundartforschung zu beschäftigen?


Gehl: Das mag für Außenstehende vielleicht ein bisschen ungewöhnlich klingen. Mein Forschungsbereich am Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde sind die Dialekte und Volkskunde, also Ethnographie, die eng miteinander verknüpft sind. Sprache gehört zum Leben einer Ethnie. Und die Kenntnis einer Sprache bzw. sprachlichen Varietät ermöglicht den Zugang zum Leben und der Arbeit ihrer Sprecher. Mit meinem eigenen südfränkischen Heimatdialekt beschäftigte ich mich schon während der Studienzeit an der Universität Temeswar (Timisoara). In meiner Dissertation untersuchte ich den Fachwortschatz der Landwirtschaft in den oberfränkischen Mundarten des Banats, also im nördlichen Teil um Arad. Und da die Projekte der Mundart-Wörterbücher weder in Temeswar noch in Budapest realisiert wurden, wo man jahrzehntelang daran gearbeitet hat, also vorgab zu arbeiten, müsste man heute sagen, führe ich am Institut hier in Tübingen als wichtigstes Vorhaben die Erarbeitung eines Fachwortschatzes der donauschwäbischen Dialekte durch. Davon ist 1997 der erste Band, nämlich ‚Wörterbuch der donauschwäbischen Bekleidungsgewerbe‘ erschienen, also Verarbeitung von Textilien und Leder zu Bekleidungsstücken. Im Jahre 2000 erschien Band 2 ‚Wörterbuch der Baugewerbe‘ bzw. jene Gewerbe, jene Fachgruppen, die sich mit Holz-, Stein- und Metallbearbeitung beschäftigen. In diesem Jahr (2002), bis Herbst nehme ich an, schließe ich den dritten, äußerst komplexen Band über den Fachwortschatz der donauschwäbischen Landwirtschaft mit all ihren Besonderheiten ab. Und 2004 soll der vierte und letzte Band, nämlich über donauschwäbische Lebensformen und interethnische Beziehungen mit den benachbarten Ethnien abgeschlossen werden. [Er ist wirklich 2005 erschienen.] Diese Wörterbuchreihe ermöglicht einen Überblick über das Leben und die Arbeit der Donauschwaben in ihren ostmitteleuropäischen Siedlungsgebieten und will versuchen, das ‚Donauschwäbische Wörterbuch‘, das nicht erstellt werden konnte in den Siedlungsgebieten, hier noch einmal zusammenfassend darzustellen.







info@eddywieand-sinedi.de